Sonntag, 9. September 2007

Jeremy Grantham: "Eine bedeutende amerikanische Bank wird pleitegehen"

Entweder rücken die Probleme der Banken erst jetzt in den Fokus der Mainstream-Presse - oder die "Gurus" wachen jetzt erst auf und sehen, dass sich da etwas anbahnt, was keineswegs bereits "contained" ist: in der Online-Ausgabe der "Welt" findet sich heute ein Bericht über den Vermögensverwalter Jeremy Grantham, der laut diesem Bericht, kein "kleines Licht" im Finanz-Business ist, denn schließlich leitet er die Geschicke der größten unabhängigen Vermögensverwaltung in den USA - u.a. im Auftrag von US-Vizepräsident Dick Cheney und dem Verlierer der vergangenen Präsidentschaftswahl, US-Senator John Kerry.

Wenn diese Person also davon ausgeht, dass mindestens eine bedeutende Bank und mehrere große Hedge Fonds - ich formulier's mal vorsichtig - "Probleme bekommen werden", dann ist das eine Aussage, die man nicht mal eben als "Stammtisch-Polemik" abtun sollte - allerdings: dieser Herr Grantham scheint ebenso wie viele andere "pessimistischen" Stimmen zur Fraktion der Dauer-Schwarzmaler zu gehören. Wenn ich zehn Jahre lang den Untergang der Welt predige und im 11. Jahr es dann tatsächlich passiert, habe ich natürlich "irgendwann" auch mal recht.

Ob hinter diesen vermehrt negativen Schlagzeilen "System" steckt, ist natürlich eine andere Sache, aber für mich fügen sich so langsam immer mehr Puzzleteilchen zusammen. Wie gestern bereits hier erläutert, benötigen viele Banken (ich will nicht verallgemeinern) Geld für ihre Conduits, die sich im Subprime-Sumpf verspekuliert haben. Dieses Geld steht somit nicht mehr für die Interbank-Geschäfte zur Verfügung, wodurch der Geldmarkt "austrocknet". Das erklärt wiederum die zunehmenden und immer länger laufenden "Not-Injektionen" an Geld durch die Zentralbanken.

Unabhängig davon: das könnten "spannende" Tage und Wochen werden, wenn wirklich eine grössere Bank in Schwierigkeiten gerät!

Hier nun der Artikel aus der Welt (Hervorhebungen von mir hinzugefügt):

Der richtige Crash kommt erst noch
Jeremy Grantham verwaltet in den USA ein Milliardenvermögen. Zu seinen Kunden zählen Dick Cheney, John Kerry, Exxon Mobile und die Weltbank. Die derzeitigen Schwächeanfälle der Finanzmärkte hält er nur für das Vorgeplänkel für einen dramatischen Absturz.

Ein Mann sieht schwarz: Für den Vermögensverwalter Jeremy Grantham sind die aktuellen Abwärtsschwünge am Aktienmarkt erst der Anfang: „In den vergangenen zwölf Jahren war ich oft zu pessimistisch. Jetzt aber fühle ich mich, als beobachtete ich ein Zugunglück in extrem langsamer Zeitlupe“, sagt er. Grantham sieht einen dramatischen Crash voraus: „Eine bedeutende amerikanische Bank wird pleitegehen, die Hälfte aller Hedgefonds sowie ein bedeutender Anteil aller Private-Equity-Firmen Konkurs gehen. Der amerikanische Aktienindex S&P 500 wird um mindestens 40 Prozent fallen.“ Doch das alles, so glaubt Grantham, passiert erst nach 2008.

Jeremy Grantham ist in den USA kein unbeschriebenes Blatt: Er führt mit Grantham Mayo Van Otterloo (GMO) die größte unabhängige Vermögensverwaltung der USA. Zurzeit hat er mehr als 150 Milliarden Dollar unter seinen Fittichen. Grantham leistet es sich, bei seinen Kunden wählerisch zu sein: Die Mindestanlagesumme beträgt fünf Millionen Dollar. Zu seiner Klientel gehören US-Vizepräsident Dick Cheney und der Verlierer der vergangenen Präsidentschaftswahl, US-Senator John Kerry. Zu den Firmenkunden zählen die Weltbank sowie der Ölkonzern Exxon Mobile. Kurzum: Der Mann hat zu viele Investoren überzeugt, als dass man seine Meinung als die eines ewigen Bären abtun kann.

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