Samstag, 29. September 2007

Dollar: Abwertung beschleunigt sich...

Die letzten Tage waren ziemlich stressig bei mir - deshalb habe ich das Geschehen an den Finanzmärkten nur beiläufig beobachten können. Ein bemerkenswerter Punkt ist allerdings der Verlauf des US-Dollar Index, der den Wert des Dollars gegenüber sechs anderen großen Währungen (EUR, Yen, Britisches Pfund, CAD, schwed. Krone und Schweizer Franken) darstellt.

Hier der Verlauf des USDX über 12 Monate:



Allein im gestrigen Intraday-Verlauf ist der Index um 0,58 Punkte auf 77,67 gefallen. Ich habe noch nicht weiter nachgeschaut, ob vielleicht wieder irgendwelche negativen Schlagzeilen aus der Immobilienbranche oder der Wirtschaft für diesen "Absturz" verantwortlich waren - der Goldpreis hat zumindest ebenfalls entsprechend reagiert und sich verteuert (der gestrige Intraday-Verlauf ist durch die gelbe Linie dargestellt):



Passend zu diesem Thema ein Interview mit Jim Rogers aus der aus der FAZ-net:

„Viele verlieren das Vertrauen in den Dollar“

27. September 2007
Nach einem guten Lauf über mehrere Jahre kam es in den vergangenen Wochen sowohl an den Börsen als auch an den Kreditmärkten zu zum Teil deutlichen Korrekturen. Die Aktienbörsen zeigen sich volatil, der Dollar ist so schwach wie nie und so erreicht der Euro am Donnerstag einmal mehr ein neues Rekordhoch zur amerikanischen Währung. Das macht einige Anleger recht nervös.

Das gilt nur bedingt für Investorenlegende Jim Rogers. Der ehemalige Partner von George Soros äußert im FAZ.NET-Interview die Überzeugung von einem langfristigen Vertrauensverlust in den Dollar, einer bevorstehenden Rezession in den Vereinigten Staaten und einem Bärenmarkt an den Börsen. Längerfristig baut er aber auf einen anhaltenden Boom im Rohstoffbereich. Kein Wunder, dass er hier auch entsprechend investiert.

Die Finanzmärkte sind in den vergangenen Wochen etwas zittrig geworden. Wie beurteilen Sie die Lage?

Die Börsen sind überreif für einen Bärenmarkt - und ich fürchte, wir werden einen sehen. Dafür gibt es viele Gründe. Unter anderem befinden sich die Vereinigten Staaten auf dem besten Weg in eine Rezession. Zudem haben sich viele Anleger finanziell übernommen.

Einen Bärenmarkt - glauben Sie wirklich?

Ja, ich bin ziemlich sicher, dass wir uns schon in einem befinden.

Was halten Sie von den so genannten „Abkoppelungstheorien“, nach denen sich die europäischen oder auch die asiatischen Märkte von einer Schwäche abkoppeln könnten?

Wenn wir von Aktieninvestments reden, so stimmt das. Es ist intelligenter, an den asiatischen Märkten zu investieren. Die Staaten der Region befinden sich in einer wirtschaftlich besseren Verfassung und dürften aus diesem Grund interessantere Anlagemöglichkeiten bieten. Die Börsen der Region dürften zwar auch fallen, wenn es richtig nach unten gehen sollte. Es ist allerdings besser, „long“ in Asien zu gehen und „short“ im Westen als umgekehrt.

Die asiatischen Staaten exportieren einen großen Teil ihrer Produkte in den Westen, vor allem in die Vereinigten Staaten. Wenn nun die amerikanische Konjunktur schwach werden sollte - wird es keine negativen Auswirkungen auf Asien geben?

Keine Frage, letztlich werden sich die Effekte überall bemerkbar machen. Aber bedenken Sie: Es gibt in Asien drei Milliarden Menschen, die riesige Beträge sparen und investieren. Sie schaffen auf diese Weise eine innere Wirtschaftsdynamik und sind aus diesem Grund nicht mehr so stark wie in der Vergangenheit von den externen Wirtschaftsbeziehungen abhängig. Wir befinden uns nicht mehr im Jahre 1977, sondern im Jahr 2007.

Das klingt gut. Nehmen wir jedoch China: Ist dort die Konjunktur inzwischen nicht längst deutlich überhitzt, hat das Land nicht ein ausgeprägtes Inflationsproblem und sollte es aus diesem Grund nicht endlich seine Währung deutlicher als bisher vom Dollar abkoppeln?

Nicht nur China hat ein Inflationsproblem. Alle haben Inflationsprobleme, im Westen lügen wir uns lediglich in die Tasche. China versucht die überhitzte Wirtschaft mit aggressiven Zinserhöhungen zu dämpfen - und ich hoffe sie geht zurück. Denn ich rede nicht darüber, jetzt chinesische Aktien zu kaufen, sondern dann, wenn deren Kurse gefallen sind. Dann stellen sie eine gute Kaufgelegenheit dar.

Wenn man jetzt investieren möchte, so sollte man Rohstoffe und internationale Währungen kaufen. Das werden gute Märkte sein, was immer auch in den kommenden fünf bis zehn Jahren passieren mag.

Sind die Rohstoffmärkte inzwischen nicht ebenso überhitzt wie die chinesische Börse?

Kommt darauf an: Der Zuckerpreis befindet sich 85 Prozent unter seinem Allzeithoch, der Silberpreis 75 Prozent, der Preis für Baumwolle 60 Prozent unter dem höchsten jemals erreichten Stand - soll das überhitzt sein?

Nun, ich dachte in erster Linie an jene Märkte, die in den vergangenen Jahren zum Teil sehr gut gelaufen sind.

Ja, manche Rohstoffe sind aus verschiedenen Gründen sehr gut gelaufen. Sehr wahrscheinlich wird es zwischenzeitlich Korrekturen geben. Aber betrachten wir den Ölpreis: Der Preis für einen Barrel in Dollar liegt zwar nahe am Allzeithoch, berücksichtigt man jedoch die Inflation oder bewertet man es mit Gold, so müsste der Preis eigentlich über 100 Dollar liegen.

Ist das Ihre Positionierung?

Ja, ich setze auf Rohstoffe und internationale Währungen, dagegen bin ich bei Finanzwerten im Westen „short“ gegangen.

Haben Sie kein Vertrauen in die Bilanzen der Investmentbanken und Broker?

Nein, natürlich nicht. Sie sind voller schlechter Papiere, die in den kommenden Jahre sehr wahrscheinlich „sauer“ werden. Wenn wir von Exzessen reden, so fanden sie in den vergangenen Jahren im Finanzbereich der westlichen Welt statt. Sie haben dort 29 Jahre alte Kinder, die zehn bis 15 Millionen Euro pro Jahr verdienen. So etwas nenne ich einen Exzess. Das ist nicht normal, das muss sich ändern und das wird sich ändern.

Lassen Sie uns über die amerikanische Zentralbank reden. Werden die Zinssenkungen eine Rezession in den Vereinigten Staaten verhindern können?

Nein, sie werden die Rezession sogar noch verschlimmern. Da alle wissen, dass Zinssenkungen die Inflation beschleunigen werden, dürften und müssen die langfristigen Zinsen steigen. Gleichzeitig wird der Dollar fallen und die Rohstoffpreise weiter nach oben treiben.

Wird der Yen auch aufwerten?

Der Yen ist ein gutes Investment. Im Rahmen der sogenannten Carry Trades verkauften in der Vergangenheit viele den Yen und den Schweizer Franken. Sollten sie ihre Positionen auflösen, kann das zu einer Aufwertungsbewegung wie im Jahr 1998 führen. Generell stellen der chinesische Yuan und der Yen gegenwärtig sehr gute Investitionsmöglichkeiten dar.

Gehen sie davon aus, dass China den Wechselkurs des Yuan weiter lockern wird?

In den kommenden ein bis zwei Jahren werden wir den „free float“ der chinesischen Währung sehen. In diesem Rahmen wird sie gegen den Dollar deutlich aufwerten.

Es gibt jedoch Stimmen, die mit einem massiven Kapitalabfluss aus China rechnen, sofern das Land Kapitalkonten freigeben sollte. Könnte es nicht sein, dass aus diesem Grund der Yuan eher ab- statt aufwerten könnte?

Sicherlich würde es zu deutlichen Kapitalabflüssen kommen, da sich in China gegenwärtig Unmengen „heißen Gelder“ befinden. Sollte der Kurs des Yuan jedoch unter Druck geraten, wäre das gut. Denn ich könnte günstig mehr davon kaufen.

Sie sind „bärisch“ für den Dollar. Wo wird der Kurs ihrer Meinung nach hingehen?

Die amerikanische Währung wertet längst ab, wird jedoch noch deutlich weiter fallen. Als das britische Pfund seinen Status als Weltreservewährung verlor, ging es um 80 Prozent nach unten. Ähnliches dürfte auch dem Dollar blühen. Letztlich werden in den kommenden Jahren aufgrund der amerikanischen Geldpolitik viele das Vertrauen in den Dollar verlieren.

Das Gespräch führte Christof Leisinger


Text: @cri
Bildmaterial: Bloomberg, F.A.Z.-Bertram Solcher, FAZ.NET