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Mittwoch, 19. Dezember 2007

KfW: sieht Rettungsaktion der IKB heute "kritisch"...

Ein interessantes Interview mit der KfW-Chefin Matthäus-Maier zum Thema IKB.
Das interessanteste Zitat aus diesem Interview dürfte sicher sein:

"Mit dem Wissen von heute über die eingetretenen Marktverwerfungen hätten wir die Rettungsaktion nicht gemacht."

denn über genau diese "Marktverwerfungen" wurde schon seit Monaten in diversen Blogs und Foren diskutiert!

Gefunden bei sueddeutsche.de:

16.12.2007 13:53 Uhr
Matthäus-Maier im Interview
IKB-Rettung wird für KfW noch teurer

Die Rettung der Mittelstandsbank IKB kommt die KfW noch teurer zu stehen als bislang bekannt. Rückblickend beurteilt KfW-Chefin Matthäus-Maier die Rettungsaktion im Gespräch mit der SZ kritisch.
Interview: Helga Einecke und Martin Hesse

SZ: Finanzminister Peer Steinbrück hat Bankmanagern Unfähigkeit vorgeworfen. Fühlen Sie sich angesprochen?

Matthäus-Maier: Nein, selbstverständlich nicht. Er hat zum Beispiel den ehemaligen IKB-Vorstand benannt, von dem vier Mitglieder gehen mussten, weil sie die Bank in den Sand gesetzt haben.

SZ: Warum ist der IKB-Vorstand dann noch nicht hinter Gittern?

Matthäus-Maier: Das kann ich nicht beurteilen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

SZ: Ist Steinbrück als Vorsitzender ihres Verwaltungsrats mit Ihnen persönlich ins Gericht gegangen, weil ein Drittel Ihres Eigenkapitals wegen der IKB im Feuer steht?

Matthäus-Maier: Warum sollte er? Nicht die KfW hat gezockt, sondern die IKB. Die KfW ist zusammen mit den anderen kreditwirtschaftlichen Säulen die Lösung des Problems, sie engagiert sich bei der Rettung der IKB.

SZ: Aber die KfW sitzt doch im Aufsichtsrat der IKB. Hat sie bei der Kontrolle versagt?

Matthäus-Maier: Wir sind der Sache sehr genau nachgegangen. Die Zweckgesellschaft Rhineland war nicht in der Bilanz. Es gab mehrere Sonderprüfungen, beantragt auch durch den Aufsichtsrat. Die Wirtschaftsprüfer lobten das Risikomanagement. Die Ratingagenturen bewerteten das ganze mit besten Noten. Außerdem hatte die KfW mit meinem Vorgänger Hans Reich, einen hervorragenden Banker im Aufsichtsrat. Und schließlich sagte der IKB-Chef noch Ende Juli, dass es keine Probleme gebe. Auch PWC hat den Aufsichtsrat in einem Gutachten entlastet. Ich sehe nicht, dass wir etwas anders hätten machen können oder müssen.

SZ: Es fällt auf, dass vor allem öffentliche Banken von der Kreditkrise betroffen sind.

Matthäus-Maier: Dem widerspreche ich deutlich. Die IKB ist eine private Bank. Wir haben mit unserem Anteil von 38 Prozent nicht mehr oder weniger Informationsrechte als andere Aktionäre. Wir haben diesen Anteil damals nur übernommen, weil wir dringlich gebeten wurden, den wichtigen Mittelstandsfinanzierer vor einer Zerschlagung durch eine ausländische Bank zu retten.

SZ: Was kostet das IKB-Debakel die KfW?

Matthäus-Maier: Ende Oktober wurde aufgrund der erheblichen Marktverwerfungen die Risikoeinschätzung bezüglich Rhineland aktualisiert und die bilanzielle Risikovorsorge für die KfW auf 4,95 Milliarden Euro erhöht. Darüber hinaus haben wir unsere 38-prozentige Beteiligung an der IKB um 400 Millionen Euro abgeschrieben.

SZ: Hätten Sie die Rettungsaktion mit Ihrem heutigen Wissen genau so gemacht?

Matthäus-Maier: Das ist schwer zu sagen. Mit dem Wissen von heute über die eingetretenen Marktverwerfungen hätten wir die Rettungsaktion nicht gemacht. Es ist aber müßig, darüber zu spekulieren, denn Ende Juli mussten wir innerhalb eines extrem kurzen Zeitraums eine Lösung finden, um Schaden von der IKB, der KfW und der Gesamtwirtschaft abzuwenden.

SZ: Was wäre die Alternative gewesen?

Matthäus-Maier: Bankenaufseher Jochen Sanio hätte das Moratorium über die IKB erklärt, die Bank wäre also zahlungsunfähig gewesen.

SZ: Und hätte damit nach Sanios Einschätzung die größte Bankenkrise seit 1931 ausgelöst. Kommen auf die KfW noch höhere Risiken zu?

Matthäus-Maier: Eine Prognose ist derzeit für alle Banken schwer. Es kann sein, dass es weniger wird als fünf Milliarden Euro, aber auch mehr, falls sich das Marktumfeld weiter verschlechtert. In dem Fall, dass noch weitere Risiken bei der IKB auftreten würden, müssten Maßnahmen ergriffen werden, an denen sich auch die anderen Anteilseigener der IKB beteiligen, die bisher geschont wurden.

SZ: Warum sollte eigentlich der Steuerzahler für die Verluste der IKB aufkommen, wenn es doch eine private Bank ist, wie Sie betonen?

Matthäus-Maier: Bislang zahlt der Steuerzahler weder direkt noch indirekt. Die KfW stemmt die Verluste aus ihrem über die Jahre angelegten Fonds für allgemeine Bankrisiken. Anders wäre das bei einer Bundesbürgschaft. Aber was meinen Sie, was auf den Steuerzahler zugekommen wäre, wenn wir im Sommer nicht so gehandelt hätten und es zu einer viel stärkeren Finanzmarktkrise gekommen wäre?

SZ: Apropos Bund und Steuerzahler: Wünschen Sie sich einen professionelleren Verwaltungsrat?

Matthäus-Maier: Der Verwaltungsrat ist professionell. Er hat alle Entscheidungen sorgfältig besprochen und genehmigt. Aber eine Telefonkonferenz mit 37 Mitgliedern ist schon schwierig. Die Schaffung eines Präsidial- und Prüfungsausschusses, wie angedacht, begrüße ich.

SZ: Müssen in den Verwaltungsrat mehr Banker, die etwas von den Niederungen der Bankbilanzen verstehen?

Matthäus-Maier: Es sind fünf Spitzenvertreter der deutschen Bankenwirtschaft in dem Gremium vertreten. Hätte einer dieser Verwaltungsräte aus Risikogesichtspunkten gegen irgendeine Entscheidung Bedenken, würde der Rest des Gremiums bestimmt nicht über dieses Votum hinweggehen.

SZ: Wann verkaufen Sie die IKB und an wen?

Matthäus-Maier: Wir streben an, die IKB unter Berücksichtigung aller Regularien zu verkaufen. Zunächst einmal muss endlich der Jahresabschluss 2006/2007 geändert, geprüft und fertiggestellt werden, wie von der IKB angekündigt. Für den Verkauf ist dann noch der neue Zwischenbericht erforderlich

SZ: Wann sind die Abschlüsse fertig?

Matthäus-Maier: Wir warten dringend auf sie.

SZ: Würden Sie einen bestimmten Käufer bevorzugen, etwa ein öffentlich-rechtliches Institut wie die WestLB?

Matthäus-Maier: Nein, es muss der richtige Käufer gefunden werden

SZ: Wie stark wird das KfW-Ergebnis belastet?

Matthäus-Maier: Das hängt davon ab, wie viele Verluste tatsächlich eintreten werden. Klar ist: Die KfW wird auch im nächsten Jahr eine hohe Förderleistung bringen, das ist das wichtigste.

SZ: Welche Lehren müssen die Banken aus der Kreditkrise ziehen?

Matthäus-Maier: Erstens sorgen schon die Rechnungslegungsstandards dafür, dass künftig viele solcher bei der IKB gefundenen Zweckgesellschaften auf die Bilanz genommen werden müssen. Transparenz ist ganz wichtig. Die Ratingagenturen sollten sich, zweitens, eine Selbstregulierung auferlegen. Es kann nicht sein, dass sie auf der einen Seite Finanzprodukte mitstrukturieren und sie auf der anderen Seite bewerten. Drittens werden auch die Wirtschaftsprüfer darüber nachdenken müssen, wie sie zu besseren Ergebnissen kommen. Schließlich haben sie Dinge testiert, hinter die man ein Fragezeichen setzen muss.

SZ: Was sind die Hauptursachen für die Kreditkrise?

Matthäus-Maier: Hellhörig macht, was den Problemen zugrunde liegt: Die exzessive Verschuldungskultur in den USA mit einer Sparquote nahe Null sollte nicht hier herüberschwappen. Es wird vieles ohne angemessenes Eigenkapital auf Pump gekauft, das hat die Krise mit zweitklassigen Hypothekenkrediten hervorgerufen. Eine konservative Finanzierung durch Kreditinstitute und Bausparkassen mit Festzinsen über einen bestimmten Zeitraum in Deutschland halte ich für besser – sowohl für Kunden als auch für das Kreditgewerbe.

SZ: Hat nicht auch die exzessive Verbriefung von Krediten, die Sie als KfW ja ebenfalls betreiben, also das Bündeln und der anschließende Verkauf von Krediten an Dritte, die Krise begünstigt?

Matthäus-Maier: Unsere Art von Verbriefungen auf keinen Fall, denn wir machen nur synthetische Verbriefungen, das heißt der Kredit selbst bleibt bei der Bank. Nur das Risiko wird weitergereicht. Diese Art von Verbriefung halte ich nach wie vor für sinnvoll. Allerdings hat die Nachfrage von Investoren auch nach diesen Finanzprodukten stark nachgelassen, weil „Verbriefung“ zu einem Unwort geworden ist. Wenn sich das nicht ändert, wird das auf Dauer die Fähigkeit der Banken, Kredite zu vergeben, einschränken. Richtig ist aber auch: Wer Risiken nicht einschätzen kann, sollte vorsichtig sein.

SZ: Hat die KfW wegen der Kreditkrise ihr Risikomanagement überprüft?

Matthäus-Maier: Natürlich, aber das Risikomanagement war schon lange vor Ausbruch der Krise sehr gut aufgestellt. Hierzu gehört auch unser gut aufgefüllter Fonds für allgemeine Bankrisiken, aus dem wir jetzt die IKB-Risiken auffangen. Wir beschäftigen etwa 100 Leute im Risikomanagement und Controlling.

SZ: Ist die KfW nicht Teil des Problems, weil sie mit verbilligten Krediten für den Mittelstand anderen Banken das Wasser abgräbt?

Matthäus-Maier: Dieser Vorwurf ist abwegig. Sie stellen damit das Prinzip einer Förderbank in Frage. Die KfW reicht ihre Kredite über die Banken aus, die für die Durchleitung der Kredite eine Marge bekommen.

SZ: Die Daseinsberechtigung einer Förderbank besteht doch im Eingreifen dort, wo der Markt versagt. Versagt denn der Markt im Mittelstand?

Matthäus-Maier: Ja. Je kleiner der Mittelständler, umso stärker ist das Marktversagen ausgeprägt und umso schwerer kommt er an Kredite. Die Banken schlagen sich keineswegs um Firmen, die weniger als eine Million Euro Jahresumsatz haben.

SZ: Politiker haben vorgeschlagen, sie sollten die Ipex-Bank verkaufen, die sie demnächst ausgliedern. Was würde das bedeuten?

Matthäus-Maier: Dann müssten wir unsere Förderleistung einschränken. Und das kann niemand fordern, dem an einer förderfähigen KfW gelegen ist.

SZ: Die KfW ist gewaltig gewachsen. Sie hat sogar das ERP-Sondervermögen übernommen, also das Erbe des Marshall-Plans, mit dem die Bundesrepublik nach dem Krieg aufgebaut wurde.

Matthäus-Maier: Wir gehen nicht durchs Land und schauen, ob wir etwas kaufen können. Ich darf darauf hinweisen, dass alle Übernahmen an uns herangetragen wurden. Anfang des Jahres haben wir zum Beispiel auf Bitten des Kanzleramtes einen Anteil an EADS übernommen, nicht anders war das bei der Deutschen Ausgleichsbank und den Platzhaltergeschäften an Post und Telekom.

SZ: Können Sie Politikern auch etwas abschlagen?

Matthäus-Maier: Wir prüfen immer nach bankmäßigen Gesichtspunkten, ob wir einspringen können.

SZ: Warum braucht ein reiches Land wie die Bundesrepublik Deutschland eine Förder- und Entwicklungsbank?

Matthäus-Maier: Weil wir Funktionen wahrnehmen, die aus Sicht der Politik nötig sind. Einzigartig ist nur die Größe der Bank. In anderen europäischen Ländern verteilen sich unsere Aufgaben auf mehrere Institute. Unsere Größe hat aber große Vorteile, denn die verschiedenen Bereiche befruchten sich gegenseitig mit Know-how und schaffen Synergien. Wir sind zum Beispiel der größte Mikrofinanzierer der Welt und waren die ersten, die Mikrokredite verbrieften. Umgekehrt haben wir in Deutschland Mikrofinanzfonds für kleine Mittelständler aufgelegt.

SZ: Wie hat sich das Geschäft der KfW in diesem Jahr denn entwickelt?

Matthäus-Maier: Ich bin schon ein bisschen betrübt, dass das Thema IKB unser eigentliches Geschäft so überlagert. 2007 dürfte das erfolgreichste Jahr unserer Geschichte werden. Wir haben bis Ende November bereits 71 Milliarden Euro ausgereicht, davon 61 Milliarden Euro Kreditzusagen, der Rest sind synthetische Verbriefungen. Wir sind weltweit einer der größten Financiers von erneuerbaren Energien. Außerdem haben wir Großprojekte wie die Übernahme von EADS-Anteilen gestemmt. Das alles kann sich sehen lassen.

SZ: Sind sie auch stolz darauf, dass Sie laut US-Magazin Fortune zu den 50 mächtigsten Frauen außerhalb der USA gehören?

Matthäus-Maier: Nein. Wenn mir das IKB-Thema erspart geblieben wäre, hätte ich auf dieses Ranking gern verzichtet.

SZ: Was ist Ihre persönliche Lehre aus der Kreditkrise?

Matthäus-Maier: Dass das bittere Stunden sind für jemanden, der seine Aufgabe eigentlich in nachhaltiger Förderung und effizientem Banking sieht.

(SZ vom 17.12.2007/beu)

Dienstag, 4. Dezember 2007

IKB: zweites Rettungspaket - und dann...?

Für die angeschlagene IKB-Bank ist ein zweites - diesmal 350 Millionen schweres - Rettungspaket geschnürt worden. "Kollege" Steinbrück nahm das zum Anlass, die "Dummheit der Banken" anzuprangern...

Gefunden bei sueddeutsche.de:

30.11.2007 11:34 Uhr
Kreditkrise
Steinbrück geißelt die Dummheit der Banken

Erst musste für die Mittelstandsbank IKB ein neues Rettungspaket geschnürt werden - jetzt macht der Bundesfinanzminister seinem Zorn über Hochmut und Inkompetenz mancher Banken Luft.

"Es gibt Bankvorstände, die der Komplexität dessen, was sie tun, nicht gewachsen sind", sagte Steinbrück der der Financial Times Deutschland. "Die Hochnäsigkeit der Manager, die wir mitunter gesehen haben - nach dem Motto: Wir sind cleverer als die anderen -, endete in einem Desaster."

In Deutschland waren die Mittelstandsbank IKB und die Sachsen LB nach Fehlspekulationen mit US-Immobilien in eine schwere Schieflage geraten. Auch deren Management habe es offensichtlich an der nötigen Expertise gemangelt, sagte Steinbrück.

Spekulationen über Schließung der IKB
Nach zähen Verhandlungen hatten sich am Donnerstag die Staatsbank KfW - Hauptaktionärin der IKB -, Sparkassen, Genossenschaftsbanken und private Institute auf ein neues Rettungspaket für die Mittelstandsbank geeinigt. Demnach soll die IKB eine zweite Kapitalzusage von 350 Millionen Euro erhalten.

Anfang August hatte der Bankenpool bereits ein erstes Stützungspaket im Umfang von 3,5 Milliarden Euro vereinbart. Gegen weitere Zusagen hatte sich das Kreditgewerbe lange gewehrt. Finanzaufsicht, KfW und Bundesregierung drangen aber auf eine erneute Beteiligung der Institute.

Mit der Stützung wollen die Banken verhindern, dass eine Pleite die Rückzahlung von Krediten an die IKB in Gefahr bringt. Unter Vorsitz Steinbrücks stand am Freitag ein Sondertreffen des KfW-Verwaltungsrats über die IKB-Zukunft an. "Die Arbeit am Gesamtkonzept, das in einen erfolgreichen Verkauf der IKB münden soll, wird vorangetrieben", sagte eine KfW-Sprecherin am Vortag zu einem Zeitungsbericht, wonach auch eine Schließung der IKB nicht ausgeschlossen werde.

Laut FTD gaben die Banken ihre Zustimmung zum neuen Hilfspaket nur unter der Voraussetzung, dass der ohnehin geplante Verkauf der IKB beschleunigt wird. Mehrere Institute, darunter die Commerzbank, die DZ Bank, die SEB und die WestLB, gelten als Kaufinteressenten. In der Diskussion sei auch gewesen, die IKB zu schließen. Dies sei aber auf den Widerstand insbesondere der Finanzaufsicht BaFin und der Bundesregierung gestoßen, die schwere Probleme für den gesamten deutschen Finanzsektor befürchteten.

Gleichzeitig wandte sich Steinbrück in dem Interview gegen seiner Meinung nach überzogene Inflationsängste. Zwar bestimme momentan die Inflationsrate von drei Prozent für den November die Diskussion, im nächsten Jahr erwarteten die Experten aber wieder einen Wert von unter zwei Prozent, sagte Steinbrück. Die deutsche Wirtschaft werde auch durch die Turbulenzen an den Finanzmärkten "nicht in einen Strudel gerissen".

Sonntag, 2. Dezember 2007

Welt / ARD: " Der Steuerzahler zahlt die IKB-Zeche"

Noch zwei Artikel von der welt.de und boerse.ard.de zur "Neverending Story" KfW und IKB.

Hier erst mal der Artikel der Welt mit ein paar Hintergrundinformationen zur Beteiligung der KfW an der IKB:

1. Dezember 2007, 16:32 Uhr
Von Sebastian Jost und Karsten Seibel
Bankenkrise
Der Steuerzahler zahlt die IKB-Zeche
Mit viel Geld hat die staatliche Föderbank KfW die Pleite der Mittelstandsbank IKB verhindert. Nur mit Finanzspritzen lässt sich überhaupt noch ein Käufer für das Krisen-Geldhaus finden. Die KfW könnte das mehr als fünf Milliarden Euro kosten. Finanziert wird das alles indirekt vom Steuerzahler.

Es sollte nach einem hervorragenden Geschäft für beide Seiten aussehen. Zwei „Wunschpartner“ hätten sich gefunden, frohlockte der damalige KfW-Chef Hans Reich vor ziemlich genau sechs Jahren. Damals kaufte die staatliche Förderbank ein Drittel der Anteile des Mittelstandsfinanzierers IKB von den Versicherern Allianz und Münchener Rück – die hatten ihr Interesse an den Düsseldorfern verloren. Reich schwärmte dagegen von der gewinnbringenden Partnerschaft der beiden Institute.

Was er in der offiziellen Stellungnahme verschwieg: Die KfW unternahm diesen Schritt vor allem auf politischen Druck. Im damals rot-grün regierten Berlin wollte man verhindern, dass die IKB von einer ausländischen Großbank geschluckt wird. Und trieb die KfW damit in das desaströseste Geschäft ihrer Geschichte.

Nur knapp ist die IKB in der vergangenen Woche an der Pleite vorbeigeschrammt. Mehr als fünf Milliarden Euro könnten die riskanten Geschäfte der Bank mit zweitklassigen US-Schuldtiteln die Großaktionärin KfW kosten. Damit reiht sich der Fall ein in die unrühmliche Reihe milliardenschwerer Pleiten, Pech und Pannen bei Geldhäusern in öffentlichem Besitz.
Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) versuchte in den vergangenen Tagen, den teuren Ausflug der Staatsbank in die Privatwirtschaft zu verharmlosen. Der Steuerzahler werde durch die Probleme der IKB nicht belastet, beteuerte er. Das ist eine sehr einfache Betrachtungsweise. Zwar braucht die KfW offenbar keine direkte Hilfe aus dem Bundeshaushalt. Fakt ist aber, dass die Bank zu 100 Prozent in öffentlichem Besitz ist. Wenn sie nun an ihre Finanzreserven heranmuss, um die IKB zu retten, greift sie auf nichts anderes als auf Werte des Steuerzahlers zurück.

Die KfW kann die Belastungen verkraften
Sorgen, dass die KfW am Ende selbst in die Bredouille gerät, sind unbegründet. „Die KfW ist mit genug Kapital ausgestattet, um diese Belastungen zu verkraften“, sagt Anna Lozmann von der Ratingagentur Fitch. Dies ändert jedoch nichts daran, dass das Geld für die Reparatur bei der IKB auch für zusätzliche Förderprogramme hätte genutzt werden können – wenn Politiker sich nicht als Eigentümer einer Geschäftsbank versucht hätten.
Auch bei anderen Häusern ist dieser Versuch immer wieder gescheitert. So wollte die nordrhein-westfälische WestLB im Konzert der internationalen Investmentbanken mitspielen, endete jedoch vor einigen Jahren am Rande des Abgrunds. Dieses Jahr sorgten die Düsseldorfer mit neuen Fehltritten bei riskanten Aktiengeschäften erneut für Schlagzeilen.
Auch in Sachsen verspekulierte sich die von Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) persönlich protegierte Landesbank mit verbrieften Krediten. Trotz des Notverkaufs an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) liegt die Rechnung beim Steuerzahler: Mehrere hundert Millionen Euro dürfte der Freistaat draufzahlen müssen, um das Institut überhaupt loszuwerden. Den Großteil der Risiken aus den riskanten Kapitalmarktgeschäften muss das Land weiterhin tragen. Dem Haushalt drohen Milliardenbelastungen.

IKB könnte an einen ausländischen Besitzer gehen
Ähnlich wie bei der SachsenLB ziehen nun die Politiker auch bei der IKB die Notbremse: Der 38-Prozent-Anteil soll „zügig“ verkauft werden. Dieser Schritt würde einen ordnungspolitischen Sündenfall korrigieren – aber womöglich zu einem Treppenwitz der Geschichte führen: Experten glauben, dass die IKB an einen ausländischen Besitzer gehen könnte – genau das, was die Politik stets verhindern wollte.

Zwar hatten in den vergangenen Monaten auch deutsche Institute ihr Interesse bekundet, darunter die genossenschaftlichen Zentralbanken DZ und WGZ sowie die WestLB. Die Frage ist jedoch, wer tatsächlich risikofreudig genug ist, um die IKB zu übernehmen. „Letztlich wird es wahrscheinlich auf die Commerzbank oder auf einen Ausländer hinauslaufen“, sagt Analyst Robert Mazzuoli von der LBBW. Doch selbst die Commerzbank dürfte sich dies gut überlegen. „Zu den meisten Industriekunden in Deutschland hat die Bank bereits selbst Kontakt, dazu braucht sie sich nicht die IKB aufzubürden“, sagt ein Frankfurter Investmentbanker. Für Ausländer sieht es anders aus. Sie könnten sich mit der IKB in den deutschen Markt einkaufen. Ihnen hätte man die Bank allerdings bereits vor sechs Jahren überlassen können. Dann wäre Deutschland heute um rund fünf Milliarden Euro reicher.

Und hier der Bericht von boerse.ard.de:

30.11.2007 18:29
Bloß weg mit der IKB!
Die staatliche KfW will einen Schlussstrich unter die IKB-Affäre ziehen: Die Mittelstandsbank, die sich mit faulen US-Hypotheken bis an den Rand der Pleite verspekuliert hatte, soll verkauft werden. Interessenten gibt es schon.

Die KfW will ihre 38-Prozent-Beteiligung an der IKB schnell loswerden. Nach einer Krisensitzung des KfW-Verwaltungsrates kündigte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Freitag in Berlin an, die Verkaufsgespräche sollten "so zügig wie irgend möglich geführt werden". Dabei müsse aber auch ein "guter Preis" erzielt werden. Einen Mangel an Interessenten gebe es nicht.

Allerdings sei nicht auszuschließen, dass noch weitere neue Risiken für die IKB auftauchten: "Das weiß keiner", sagte der Minister. In diesem Fall müssten die übrigen Aktionäre der Bank dafür ebenfalls gerade stehen. Der Bund werde der KfW für die IKB jedenfalls keine Bürgschaft oder andere Garantien gewähren.

"IKB erhalten"
"Es gibt ein überwältigendes Bild im Verwaltungsrat, dass wir die Mittelstandsbank IKB am Markt halten sollten", erklärte Steinbrück. Dieser wichtige Mittelstandsfinanzierer solle nicht vom Markt verschwinden. Der Verwaltungsrat wolle die KfW daher auch bei der weiteren Risikoabschirmung behilflich sein.

Am Donnerstag hatte sich ein Pool mehrerer Banken unter Federführung der KfW nach zähen Verhandlungen zudem auf eine zusätzliche Finanzspritze von 350 Millionen Euro an die IKB verständigt. Laut Steinbrück trägt die KfW davon 150 Millionen Euro, den Rest andere Banken.

Banken drängten zum Verkauf
Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD) gaben die Banken ihre Zustimmung zu dem neuen Hilfspaket nur unter der Voraussetzung, dass der ohnehin geplante Verkauf der IKB beschleunigt wird. Mehrere Institute, darunter die Commerzbank Bank, die schwedische SEB und die WestLB, gelten als Kaufinteressenten.

Kaufinteressent aus Übersee
Am Freitag meldete der US-Finanzinvestor Lone Star sein Interesse an der gewerblichen Immobilienfinanzierung der IKB an. "Wir können uns vorstellen, im Zuge von Umstrukturierungen in der Bankenbranche zum Beispiel einen Geschäftsbereich gewerbliche Immobilienfinanzierung - etwa von der IKB - zu erwerben", sagte der Deutschlandchef von Lone Star, Karsten von Köller, in einem Interview mit "Reuters". Die gewerbliche Immobilienfinanzierung der IKB hat nach Angaben des Instituts ein Volumen von knapp fünf Milliarden Euro.

Harsche Kritik an Bankern
Zuvor hatte Steinbrück die Banken angesichts der weltweiten Finanzmarkt-Turbulenzen scharf kritisiert. "Es gibt Bankvorstände, die der Komplexität dessen, was sie tun, nicht gewachsen sind", sagte er der "FTD". Einige Bank-Manager hätten die Bodenhaftung verloren: "Die Hochnäsigkeit der Manager, die wir mitunter gesehen haben – nach dem Motto: Wir sind cleverer als die anderen - endete in einem Desaster."

Wohnungen von IKB-Managern durchsucht
Wie die "Rheinische Post" unter Berufung auf Kreise der Strafverfolgungsbehörden meldet, ließ die Düsseldorfer Staatsanwalt in der vergangenen Woche bereits die Privatwohnungen von vier ehemaligen Vorständen und einem noch aktiven Top-Manager des Kreditinstituts untersuchen, darunter der frühere IKB-Chefs Stefan Ortseifen.
wf

Samstag, 1. Dezember 2007

IKB: nun schaltet sich auch Merkel ein...

Gefunden bei cnn.com:

Merkel reportedly seeks new IKB bailout as bank again delays H1 report UPDATE
November 29, 2007: 03:53 AM EST

(updates with background on bailout; adds IKB earnings story)
FRANKFURT, Nov. 29, 2007 (Thomson Financial delivered by Newstex) -- Chancellor Angela Merkel is pressuring Germany's major banks to provide fresh funding to IKB Deutsche Industriebank AG, to prevent the troubled lender from falling below its minimum equity ratio threshold, Handelsblatt reported.

Merkel plans to address the issue with, among others, Deutsche Bank (NYSE:DB) CEO Josef Ackermann and his counterpart at Commerzbank, Klaus-Peter Mueller, the newspaper said without naming sources.

IKB, which was in August granted a 3.5 bln eur credit line by its peers after a month earlier becoming the first German bank to be significantly impacted by the US subprime crisis, this morning for the second time postponed publication of its first-half results due to subprime-related issues.

Handelsblatt said a working party meeting of the pool of banks that provided the August bailout package had been scheduled for yesterday, but was postponed on the back of Merkel's initiative to take the issue to the top of the banks' management chain.

IKB this summer also received financial support from its 38 pct state-owned shareholder, development bank KfW Bankengruppe, which set aside 2.5 bln eur of provisions to cover the unit's subprime-related risks.

In this morning's statement IKB declined to specify when the results, covering the six months to September, will be published.

It said the delay was due to the first-time inclusion of Rhineland Funding, the off-balance-sheet conduit responsible for the bank's subprime exposure.

Despite 'challenging conditions', IKB said new disbursements in its core business units, corporate clients, real estate clients and structured financing continued to be 'encouraging' in the first half.

In the corporate clients segment, new business volumes rose to 2.8 bln eur from 2.1 bln a year earlier. In real estate they rose to 700 mln from 400 mln.

In early trade, IKB shares fell 6.83 pct to 7.50 eur.

Copyright Thomson Financial News Limited 2007. All rights reserved.

Mittwoch, 28. November 2007

IKB: EU will Rettungspaket prüfen.

Und nochmal IKB, diesmal aus spiegel.de. Interessant, dass nun auch überlegt wird, das ganze durch Garantien des Bundes abzusichern!

28. November 2007

MITTELSTANDSBANK IKB
EU will Rettungspaket prüfen

Erneuter Ärger für die IKB: Die Europäische Kommission will die Aufstockung der öffentlichen Rettungsgelder für die angeschlagene Mittelstandsbank prüfen. Gleichzeitig berichtet eine Zeitung, das Verlustrisiko des Geldinstituts sei größer als angenommen.

Frankfurt am Main - EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes gab sich streng wie immer. Sie wolle in Sachen IKB nun Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) anrufen. Die Deutschen hätten zu den neuen Rettungsplänen für die durch die Kreditkrise angeschlagene Mittelstandsbank bislang keine Informationen nach Brüssel geschickt. Ihre Behörde verfolge den Fall in Deutschland genau, sagte Kroes. Rettungshilfen der öffentlichen Hand sind in der EU nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt.

Die IKB hatte sich in großem Stil mit faulen Immobilienkrediten in den USA verspekuliert. Weil die Bank davon noch stärker betroffen ist als bislang bekannt, hatte die staatliche KfW gestern eine Aufstockung ihrer Risikovorsorge um 2,3 Milliarden auf insgesamt 4,8 Milliarden Euro angekündigt. Die öffentliche Bank ist zu 38 Prozent an der IKB beteiligt und trägt das größte Haftungsrisiko. Die deutschen Kreditinstitute hatten die IKB im Sommer darüber hinaus mit einer Finanzspritze von einer Milliarde Euro vor dem Zusammenbruch bewahrt, lehnen nun aber jede weitere Unterstützung ab, woraufhin die KfW alleine einspringen musste.

Mit den höheren Risiken sei der KfW-Fonds für allgemeine Bankrisiken von 5,3 Milliarden Euro so gut wie ausgeschöpft, berichtet das "Handelsblatt". Die KfW habe bereits beim Bund vorgefühlt, ob Garantien des Bundes vorstellbar seien, hieß es weiter unter Berufung auf Kreise.

Denn die Folgen der US-Immobilienkrise der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge noch größer als bislang angenommen. Das Verlustrisiko summiere sich nunmehr auf mehr als sechs Milliarden Euro, berichtet das Blatt. Zu dem gesamten Rettungspaket für die IKB in Höhe von 5,8 Milliarden Euro müssten zusätzlich 350 Millionen Euro veranschlagt werden, hieß es in dem Bericht.

ase/AFP/dpa

KfW und IKB: Risiken höher als angenommen...

Wie gestern bereits unter "KfW erhöht Risikovorsorge für IKB..." gepostet, steht bei der KfW, bzw. IKB neuer Ärger in's Haus. Dazu ein weiterer Artikel von der ftd.de:

KfW legt Milliarden für IKB zurück
von Rolf Lebert, Mark Schieritz (Frankfurt) und Guido Bohsem (Berlin)
Die Krise der Mittelstandsbank IKB entwickelt sich zur schweren Belastung für die KfW. Die Politik fürchtet Defizite bei der Mittelstandsförderung. Die Risiken bei der IKB sind noch höher als angenommen.

Am Dienstag beschloss der Verwaltungsrat der Staatsbank, die Risikovorsorge um 2,5 Mrd. Euro zu erhöhen und damit annähernd zu verdoppeln. Insgesamt hat die KfW jetzt 4,8 Mrd. Euro für mögliche Bilanzrisiken durch die IKB zurückgelegt, an der sie zu 38 Prozent beteiligt ist.

Die zusätzliche Vorsorge wird dem Fonds für allgemeine Bankrisiken entnommen, der dem Eigenkapital der KfW zuzurechnen ist und Ende 2006 mit 5,3 Mrd. Euro dotiert war. Sinkt das Eigenkapital der KfW, sinkt auch ihre Fähigkeit zur Kreditschöpfung. Insgesamt hat die Bank ein Eigenkapital von etwa 15 Mrd. Euro und eine Bilanzsumme von 390 Mrd. Euro.

Risikovorsorge verdoppelt
In der Politik wurden Befürchtungen laut, wonach die Mittelstandsförderung der KfW leiden könnte. Diese sollte durch die im Frühjahr 2007 übertragenen Mitteln des Nachkriegs-Sondervermögens ERP ausgebaut werden. "Die Entwicklung ist besorgniserregend. Wir waren immer gegen die Übertragung, weil die Sicherheit der Mittel etwa bei einer Bankenkrise nicht gegeben ist", sagte der Grünen-Abgeordnete Hans-Josef Fell. "Die IKB-Krise geht langsam aber sicher an die Substanz der KfW", so sein FDP-Kollege Frank Schäffler. In Berlin wurde deshalb gefordert, die Kreditwirtschaft an möglichen neuen Risiken zu beteiligen. Die Banken seien von einem Zusammenbruch der Bank betroffen, weil die IKB bei ihnen verschuldet sei.

Die an einer früheren Rettungsaktion beteiligten Institute haben freilich deutlich gemacht, dass sie nicht zu weiteren Hilfen bereit sind. Sie wollen Finanzkreisen zufolge am Mittwoch über die Lage beraten. Am Freitag will der Verwaltungsrat der KfW erneut zusammenkommen.

Bankenpool will nicht zahlen
Die Aufstockung der Risikovorsorge betrifft ausschließlich die Zweckgesellschaft "Rhineland Funding", deren Risiken die KfW direkt übernommen hatte. Diese Zweckgesellschaft der IKB hatte in faule Kreditprodukte aus dem US-Immobilienmarkt investiert und war darüber in eine Schieflage geraten. Ende Juli hatte die KfW für Rhineland Funding Liquiditätsgarantien über 8,1 Mrd. Euro zugesagt. Eine Allianz des deutschen Bankensektors hatten zusammen mit der KfW zusätzlich 3,5 Mrd. Euro bereitgestellt, um die IKB gegen Verlustrisiken abzuschirmen.

Die KfW verwies jetzt auf das Auftreten "wesentlicher bewertungsrelevanter Informationen bezüglich der unter Rhineland Funding abgeschirmten Risiken" und einer "dramatischen Verschlechterung der grundsätzlichen Markteinschätzung". Unabhängig von den Risiken bei Rhineland Funding besteht Finanzkreisen zufolge in der IKB-Bilanz selbst ein weiterer Kapitalbedarf von 300 bis 400 Mio. Euro.

Der Fonds für allgemeine Bankrisiken, aus dem die KfW die zusätzliche Risikovorsorge entnehmen will wird in voller Höhe als haftendes Eigenkapital anerkannt. Wie kritisch die Lage ist, zeigte ein Bericht der Ratingagentur Standard & Poor's. Sie senkte die Bewertung für mehrere Anlagen von Sachsen Funding, einer Zweckgesellschaft der ebenfalls in eine Schieflage geratenen Sachsen LB, von "AAA" auf "BBB-".

Dienstag, 27. November 2007

KfW erhöht Risikovorsorge für IKB...

Gefunden bei spiegel.de:


27. November 2007

KREDITKRISE
KfW erhöht Risikovorsorge um 2,3 Milliarden Euro

Die Krise der Mittelstandsbank IKB kommt die KfW teuer zu stehen: Die staatliche Förderbank hat ihre Risikovorsorge um 2,3 Milliarden auf 4,8 Milliarden Euro erhöht. Die Krise scheint für den größten IKB-Anteilseigner damit aber immer noch nicht ausgestanden zu sein.

Frankfurt am Main - Die staatliche Förderbank KfW hat wegen der Schieflage der Mittelstandsbank IKB ihre eigene Risikovorsorge fast verdoppelt. Aufgrund der Neueinschätzung der Risiken aus der IKB-Zweckgesellschaft Rhineland Funding habe die KfW die Erhöhung der bislang gebildeten Risikovorsorge um 2,3 Milliarden auf 4,8 Milliarden Euro vorgenommen, teilte die Förderbank heute im Anschluss an eine Telefonkonferenz des Verwaltungsrates mit. Das Geld soll aus dem Fonds für allgemeine Bankrisiken entnommen werden, aus dem die KfW bereits 2,5 Milliarden Euro für die Rettung der IKB geholt hatte.

Grund sei eine dramatische Verschlechterung der grundsätzlichen Markteinschätzung im Hinblick auf die tatsächlichen Ausfallrisiken im Subprime-Segment. Für die Mittelstandsbank musste die deutsche Bankenlandschaft ein Rettungspaket schnüren.

Die KfW ist mit knapp 38 Prozent größter Anteilseigner der IKB, die infolge der US-Hypothekenkrise in eine Schieflage geraten war. Vor zwei Wochen hatte die Förderbank eingeräumt, dass die negative Entwicklung des Marktes sich auf die Auslastung der milliardenschweren Risikoabschirmung der IKB auswirken werde.

Presseberichten zufolge wehren sich Banken und Sparkassen aber gegen eine Ausweitung der Risikoabschirmung über die bisher zugesagten 3,5 Milliarden Euro hinaus. Auf Kritik stößt demnach auch ein geplanter Verkauf von IKB-Krediten an die Postbank. Dabei soll es um ein Kreditpaket von bis zu 500 Millionen Euro gehen, über das die IKB exklusiv mit der Postbank verhandle.

Ob und in welchem Ausmaß weitere Finanzhilfen für die IKB notwendig werden, blieb heute offen. Der KfW-Verwaltungsrat will am Freitag erneut auf einer weiteren Sondersitzung über die IKB-Krise beraten. Es könnte eine weitere Finanzspritze von 300 Millionen Euro oder mehr erforderlich werden, hieß es am Markt.

Die IKB war wegen risikoreicher Engagements bei US-Hypotheken in die Krise geraten. Banken und Sparkassen hatten im Sommer auf Druck des Bundesfinanzministeriums und der Bankenaufsicht einen Rettungsschirm gespannt. Inzwischen hat der Bund signalisiert, dass die KfW ihren Anteil verkaufen soll. Die KfW selbst hatte im Oktober angekündigt, für ihre IKB-Beteiligung alle Optionen einschließlich eines Verkaufs zu prüfen.

Zu den Interessenten gehören die Commerzbank, die DZ Bank und die schwedische SEB. Zuletzt wurde auch über einen Verkauf an die ebenfalls in Düsseldorf ansässige WestLB diskutiert. Bereits an der IKB beteiligt ist neben der KfW die Privatbank Sal. Oppenheim, die ihren Anteil erst im August auf mehr als fünf Prozent aufgestockt hatte.

kaz/dpa-AFX/Reuters