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Samstag, 8. Dezember 2007

Andreas Männicke: "Planwirtschaft in den USA – fatal!"

Gefunden bei wallstreet-online.de:

Nachricht vom 08.12.2007 | 11:28
Planwirtschaft in den USA – fatal!

US-Präsident Bush hat angekündigt, den Kreditnehmern im nächsten Jahr durch ein Zahlungsmoratorium über 5 Jahre durch die Streichung der Gleit-Zinsregelung für US-Hypos unter die Arme zu greifen, wohl auch um eine drohende US-Rezession im letzten Präsidentschaftsjahr zu verhindern. Im nächsten Jahr müssen 2 Mio. Personen in den USA mit einem Volumen von 500 Mrd. USD und in England 1,5 Mio. Hypothekenkredite neu ausgehandelt bzw. zu neuen Konditionen prolongiert werden, wobei nur ein Teil davon „notleidend“ ist bzw. wird. Dies ist aber ein Eingriff des Staates, der planwirtschaftliche Züge hat und zudem die „ABS“, also strukturierte Kreditprodukte, im nächsten Jahr noch mehr in Bedrängnis bringt. Hätte dieses Putin vorgeschlagen, hätten wieder alle mit erhobenen Zeigfinger eine fehlende Marktwirtschaft angemahnt, die den freien Wettbewerb behindere.

Während in Russland die Liberalisierung wesentlicher Märkte wie der Telekom- und Energiemarkt voranschreitet, muss ausgerechnet das - angebliche - Musterland der Demokratie und Marktwirtschaft auf dirigistische Weise in den Kreditmarkt einschreiten, um eine Mega-Krise im Bankenmarkt zu begegnen. Es ist aber zweifelhaft, ob dies die richtige Maßnahme ist, auch wenn kurzfristig die Weltbörsen positiv auf dieses „Horrormeldung für die Kreditmärkte“ reagierten. Gerade strukturierte Produkte werden darunter leiden und auch Hedgefonds, die sie benutzen. Wir werden also die gleichen Themen wie in 2007 in verstärkter Form in 2008 wieder auf den Tisch bekommen. Es wird im nächsten Jahr aber weniger um den Abschreibungsbedarf bei US-Hypos und ABS gehen, sondern um das „Eingemachte“, nämlich Konsumentenkredite im Volumen um 15 Billionen USD. In den nächsten Tagen werden einige Großbanken wohl noch einmal einen erhöhten Abschreibungsbedarf für die US-Hypos und ABS melden. Auch werden schlechte Zahlen für das US-BSP erwartet. Da dies aber erwartet wird, wird es keinen Schock mehr auslösen. Die Aktienmärkte sind aber schon wieder auf einem Niveau (DAX bei 8000, Dow Jones bei 13.600 Indexpunkten), wo es keine US-Bankenkrise zu geben scheint. Insofern sind die Märkte auch weiterhin verwundbar und werden weiterhin volatil reagieren.

Die Anleger sind sich anscheinend noch gar nicht bewusst, dass so ein Zahlungsmoratorium zu einer Verschärfung der Liquiditätsrisiken im ohnehin angeschlagenen ABS-Markt führen wird, denn dadurch fehlen die Cash-Flows durch die Zinsen, mit denen die Emittenten der verbrieften Kreditpakete gerechnet haben. Ich sehe ohnedies für viele Großbanken im nächsten Jahr schwere Zeiten aufgrund notleidender Konsumentenkredite zukommen. So sehe ich ebenso wie der Chef von JP Morgan eine Fusionswelle auf uns zukommen, wobei eine Reihe von Zwangsfusionen anstehen wird. Vielleicht kauft JP Morgan auch selbst die Citibank, die nun preiswert zu Tiefstkursen zu haben ist. Mergergerüchte wirken auf der anderen Seite kurzfristig kurstreibend wie zuletzt bei der Postbank, was neue Trading-Chancen eröffnet. Einige Banken werden jetzt mit einem KGV von unter 8 bewertet, was Klein- und Groß-Investoren anlockt. So war auch der Rettungsdienst der Araber bei der Citibank verständlich. Derartige Rettungsaktionen werden wir auch in 2008 erleben. Das Volumen der US-Konsumtenkredite beträgt schon 15 Billionen USD. Wenn davon nur 10% davon notleidend werden, fehlen den Banken 1,5 Billionen USD- Dollar. Insofern ist sehr darauf zu achten, wie sich der Konsum jetzt in den USA entwickelt. Das US-Konsumentenvertrauen ist auf dem tiefsten Stand der letzten 2 Jahren.

Zudem sollen im nächsten Jahr durch einen Credit Crunch im nächsten Jahr 2 Billionen US-Dollar weniger zur Verfügung stehen, was weltweit zu einer Konjunkturverlangsamung führen könnte. Noch haben die Unternehmen weltweit genug Geld, um sich aus dem eigenen Cash Flow zu finanzieren. Im Falle einer US-Rezession würde sich das aber schnell ändern. Die chinesische Notenbank will ohnehin bremsen, um eine Überhitzung der Konjunktur zu vermeiden. Negativ von einem Credit Crunch betroffen könnten aber auch hoch geleveragte Unternehmen und auch Banken mit hohen Fremdwährungsanleihen in Emerging Markets. So haben Banken in Kasachstan über 4 Mrd. USD aufgenommen, die im nächsten Jahr zu schlechteren Konditionen prolongiert werden müssen. Um nicht selbst in Liquiditätsschwierigkeiten zu kommen, geben die kasachischen Banken keine Kredite mehr, was zu einer Halbierung des BSP-Wachstums von 10 auf 5% im nächsten Jahr führen kann. Die kasachische Notenbank hat jetzt 1,7 Mrd. USD als Liquiditätspuffer bereitgestellt. Insofern kamen die kasachischen Banken zu Recht unter Kursdruck, obwohl die Zahlen für das 3. Quartal noch gut aussehen. Dieses Phänomen gibt es jetzt aber weltweit: extrem niedrige Bankenbewertungen stehen extrem hohe Liquiditätsrisiken gegenüber.

Eine ähnliche Krise gibt es auch im baltischen Bankenmarkt, wo keine Bank mehr Kredite vergeben will. Auch in Lettland gibt es eindeutig eine Immobilienblase, der durch finanzstarken Russen verursacht wurde. Auch dieser Bubble könnte in einer Krise enden. Die baltischen Aktien verloren in den letzten Wochen schon erheblich an Wert.

In Russland wird schon lange vor einer drohenden Liquiditätskrise gewarnt, wobei die Rekordgewinne in 2007 wieder eine andere Sprache sprechen. Es ist nicht einfach für die Anleger, hier die richtige Richtung rechtzeitig vorauszuahnen. Ich empfehle zumindest bei Finanztiteln immer noch eine defensive Strategie, auch wenn die Anleger durch die wenig sinnvolle Bush-Hilfe zu einer Jahresendrallye tendieren. Der Markt könnte auch auf eine Zinssenkung der FED am 18. Dezember spekulieren, was aber wiederum auch nur ein zweischneidiger Rettungsschritt wäre, da dies die Inflation weltweit anheizt.

Die Inflation ist jetzt weltweit wieder ein Thema. Auch in Deutschland steh wieder eine 3 vor dem Komma, was der EZB Sorgen bereitet. So hat die tschechische Notenbank schon die Zinsen erhöht, um der Inflation zu begegnen. Ebenso müssten jetzt eigentlich die ukrainische und russische Notenbank verfahren, da hier die Inflationsraten in den zweistelligen Prozentbereich gestiegen sind (in Russland auf 13%). Ich rechne daher weiter mit steigenden Gold- und Silbernotierungen, wobei einige Industriemetalle wie auch Kupfer aufgrund der drohenden US-Rezession und weniger US-Hausbauten sinken könnten.

Es bleibt abzuwarten, ob ein „Decpoupling“, also ein Abkoppelung der Emerging Markets und der Ostbörsen aufgrund der Eigendynamik und hohen Wachstumsraten gelingen kann, wenn neue Hiobsbotschaften aus den USA kommen. Sicherlich ist China jetzt die Welt-Konjunktur-Lokomotive und löst damit die USA ab. Der Kapitalmarkt schaut dennoch in erster Linie auf die Wall Street, weil dort das meiste Kapital versammelt ist. Die Börsen in Südosteuropa brachen zuletzt auch aufgrund des nicht gelösten Kosovokonfliktes förmlich ein, erholten sich dann aber auch wieder schnell. Auch in Zukunft ist mit hoher Volatilität zu rechnen. Immerhin sind Ende des Jahres die Schranken an den Grenzen bei den neuen EU-Beitrittsländern weg, womit Europa an Russland angrenzt. Auch daran müssen wir uns erst gewöhnen: Osteuropa ist Europa – und nicht mehr der „Ostblock“!

TV-Hinweise: die letzten TV-Interviews vom Autor über Russland in N24 vom 3.12.07 können Sie sich im Internet runterladen unter www.n24.de/boerse (dort unter Investment-Videos) und über die Ostbörsen im DAF vom 7.12.07 unter www.anleger-fernsehen.de in DAF Q&A Global. Die Sendung Q & A Global mit dem Interview des Autors ist in DAF zu sehen am Montag, 10.45 Uhr, 20.45 Uhr; Dienstag, 12.45 Uhr; Mittwoch, 17.45 Uhr; Freitag, 14.45 Uhr, 18.45 Uhr.


Autor: Andreas Männicke

Andreas Männicke ist Geschäftsführer der ESI East Stock Informationsdienste GmbH (www.eaststock.de), Herausgeber und Chefredakteur des EAST STOCK TRENDS, freier Mitarbeiter vom Emerging Markets Portal und Berater für Vermögensverwalter im Bereich Osteuropa. Er hat eine über 15 jährige Erfahrung mit den aufstrebenden Kapitalmärkten in Osteuropa und ist ein gefragter Interviewpartner in den Medien (u.a. bekannt aus NTV/Telebörse, N24, 3 SAT Börse, Bloomberg TV).
© wallstreet:online AG

Mittwoch, 5. Dezember 2007

Paulson's Plan = Entschuldung der Banken auf Kosten der Investoren?

In "Kann Paulson's Rettungsplan funktionieren?" hatte ich bereits ein paar kritische Stimmen zu Hank Paulson's Resttungsaktion für die in Schwierigkeiten geratenen Kreditnehmer in den USA zusammengetragen. Mittlerweile steht für mich ebenfalls fest, dass die ganze Aktion einzig und allein (wieder einmal) darauf ausgerichtet ist, die Banken zu retten. Diese tragen schließlich das Kreditrisiko - und die Kredite werden bei Paulson's Plan ja weiterlaufen - wenn auch nicht mit den eigentlich steigenden Zinsen, denn diese werden auf den niedrigen Teaser Rates belassen. Die eigentlich gelackmeierten sind die ABS-Investoren, denn diese müssen die Zinsausfälle tragen...
Ob diese das ganze Spielchen aber "einfach so" mitspielen, ist noch eine ganz andere Frage - schon wird in diversen Blogs auf das Risiko von Klagen hingewiesen - da wird noch einiges an Geld zu verdienen sein (wenn man denn Anwalt ist)!

Sonntag, 2. Dezember 2007

E*Trade-Deal lässt weitere Abschreibungen in der Bankenbranche erahnen...

Bereits letzte Woche hatte ich am Rande mitbekommen, dass E*Trade, ein amerikanisches Brokerhaus, das durch die Kredit-Krise ins Schlingern geraten ist, grössere Positionen ihres Engagements auflösen, bzw. veräußern muss, um für Liquidität zu sorgen.
Erst heute habe ich allerdings gesehen, was da genau abläuft - und welche Folgen das u.U. für andere Firmen haben könnte! Hintergrund der ganzen Sache: E*Trade musste auf deren Portfolio, das zu einem Großteil (etwas mehr als 70%!) aus Prime-Krediten bestand (also noch nicht mal "Subprime"-Krediten!!!), Abschläge in der Größenordnung zwischen 73% und 89% hinnehmen! Das würde bedeuten, dass auch andere Häuser wie Merrill Lynch oder Citigroup weitere Abschreibungen auf ihre Assets vornehmen müssten.

Dazu ein Artikel von reuters.com:

E*Trade firesale seen hurting Wall St portfolios
Fri Nov 30, 2007 5:38pm EST

By Tim McLaughlin

NEW YORK (Reuters) - E*Trade Financial Corp's (ETFC.O: Quote, Profile, Research) firesale of mortgage-backed securities has conjured up a new worst-case scenario for Wall Street's portfolio of subprime assets by knocking their value even lower.

Financial analysts on Friday said E*Trade got anywhere from 11 cents to 27 cents on the dollar for its $3.1 billion portfolio of asset-backed securities. The portfolio sale was part of a $2.5 billion capital infusion from a group led by hedge fund Citadel investment Group.

"The portfolio sale, one of the few observable trades of such assets, has very clear, generally negative, implications for the valuation of like assets on brokers' balance sheets," Credit Suisse analyst Susan Roth Katzke said.

The portfolios are hard to value because demand has dried up for them and the brokerages sometimes use their own models to put a value on the assets. Any rare actual transaction could have an effect on other brokerages' valuations.

Using what she called a simplistic analysis, Katzke estimated Merrill Lynch & Co Inc (MER.N: Quote, Profile, Research) could take a $9 billion after-tax hit to the valuation of assets underpinned by subprime mortgages. That estimate assumes the Merrill assets would be marked down to 26 cents on the dollar.

Katzke's write-downs reflect amounts that are incremental to charges taken in the third quarter. She estimated that Citigroup's (C.N: Quote, Profile, Research) after-tax write-down could be $26 billion, if the assets were marked down to 26 cents on the dollar.

"Our analysis is far from perfect," Katzke said. "That said, it's our best take on a worst case scenario for valuation of like securities. ... Not all brokers are equal."

Merrill declined to comment. Before the E*Trade deal, analysts had already forecast huge write-downs at Merrill, with some estimates topping $13 billion. Katzke estimates Citigroup will take a write-down of up to $12 billion in the fourth quarter.

Merrill already recorded an $8.4 billion write-down in the third quarter, mostly because it reduced the value of subprime-related assets.

Goldman Sachs analysts said they were surprised by the size of the discount on the E*Trade portfolio because 73 percent of the assets were backed by prime mortgages, or loans to people with solid credit.

In contrast, Wall Street brokerages have taken billions of dollars of write-downs on assets underpinned by subprime mortgages. Escalating defaults on these loans to people with weak credit have roiled credit markets worldwide.

Citigroup investment bank analyst Prashant Bhatia said E*Trade actually received 11 cents on the dollar for its portfolio, if you factor in that the brokerage received $800 million in cash minus 85 million shares it issued. He said that implies Citadel's received stock compensation worth about $450 million, leaving E*Trade with only $350 million for its $3.1 billion portfolio.

(Reporting by Tim McLaughlin; Editing by Gary Hill)

Mittwoch, 28. November 2007

Handelsblatt: "Zweckgesellschaften am Abgrund"

Auf handelsblatt.com gibt es einen interessanten Grundlagenartikel zum Thema "außerbilanzielle Zweckgesellschaften" (SIVs, Conduits):

HANDELSBLATT, Mittwoch, 28. November 2007, 10:04 Uhr
Finanzkrise wirkt sich weiter aus

Zweckgesellschaften am Abgrund
Von Hans G. Nagl und Rolf Benders

Die Finanzkrise zieht weiter ihre Kreise: Noch immer schlummern in dreistelliger Milliardenhöhe Anlagen in außerbilanziellen Zweckgesellschaften. Experten zufolge steht diesen so genannten Structured Investment Vehicles, die die Finanzkrise wesentlich mit verursacht haben, das Schlimmste erst noch bevor.

In der Hoffnung auf eine Markterholung mag kaum einer die Verluste realisieren und als erster Vermögenswerte auf den zusammengebrochenen Markt werfen. Damit aber bleibt das reinigende Gewitter aus – während sich das Misstrauen verstärkt. "Es sind Milliarden von Assets irgendwo im Raum und keiner verkauft sie“, meint ein Brancheninsider, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. "Es wird kein Boden gefunden und damit gibt es weiter keinen Markt.“

SIVs werden meist von Banken, zum Teil auch von Hedge-Fonds verwaltet. Sie investieren in forderungsunterlegte Anleihen (ABS) oder Kreditderivate (CDOs) hoher Bonität. Ihre Refinanzierung läuft über Eigenkapitaltranchen sowie kurz- und mittelfristige Schuldentitel. Per Ende Oktober umfasste der gesamte SIV-Sektor nach Schätzungen von Standard & Poor’s (S&P) noch ein Volumen von 289 Mrd. Dollar. Der Rating-Agentur zufolge wurden damit seit Beginn der Krise bereits um rund 100 Mrd. Dollar abgeschmolzen. Mehrere Vehikel wie etwa Rhinebridge von der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB gingen in die Abwicklung und verkauften zumindest Teile ihres Vermögens.

Wegen der Subprime-Krise haben die Investments in den SIVs massiv an Wert verloren. Mitunter lässt sich sogar nicht einmal mehr ein Marktpreis ansetzen. Im Falle deutlicher Wertverluste ihrer Anlagen sind die Zweckgesellschaften gemäß Statut aber dazu verpflichtet, Vermögenswerte zu verkaufen, was deren Bewertungen weiter drückt und letztlich wieder die SIVs belastet. "Ein Ende dieser Spirale ist momentan nicht zu sehen“, heißt es in einer Studie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Als Folge versuchen die Vehikel oder die verwaltenden Banken, die die Anlagen mitunter auf die Bücher genommen haben, den Verkauf möglichst lange hinauszuzögern. Ein Insider berichtet etwa, dass selbst unter Verwaltung stehende SIVs darauf verzichten, Vermögenswerte zu veräußern. Denn die Investoren könnten vor Gericht ziehen und argumentieren, zu einem späteren Zeitpunkt wäre ein weit höherer Erlös zu erzielen gewesen. Zugleich werden Investments möglichst großzügig bewertet, um zu verhindern, dass in SIVs Schwellenwerte unterschritten werden, was die Abwicklung zur Folge hätten. "Was da gemacht wird, ist schon sehr wild“, sagt ein Marktteilnehmer. "Und jeder weiß, dass es der andere macht, deshalb bildet sich kein Vertrauen im Markt.“ Auch in dem von mehreren US-Banken rund um Citigroup, die Bank of America und JP Morgan initiierten US-Rettungsfonds sehen viele nur den Versuch, Verluste künstlich zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern. Der Fonds soll den krisengeschüttelten SIVs Vermögenswerte abkaufen – in der Hoffnung auf bessere Zeiten.

"Es wird einen riesigen Überhang an Assets geben, die zum Verkauf stehen“, prophezeit vor diesem Hintergrund S&P-Spezialistin Michelle Brennan. Sie weist noch auf ein weiteres Problem hin: Selbst wenn ein Investor derzeit Anlagen aus Zweckgesellschaften zu kaufen bereit sei, stoße er angesichts der permanenten Negativschlagzeilen bei seinen Kapitalgebern auf Widerstand.

Spätestens Anfang kommenden Jahres könnte es für viele der Zweckgesellschaften eng werden. Dann laufen erneut Refinanzierungsgeschäfte in Milliardenhöhe aus. Kaum ein Experte glaubt, dass angesichts der Risiken in den Zweckgesellschaften dort jemand erneut als Geldgeber auftreten will.

"Schon Anfang 2008 dürften sich die Probleme vieler SIVs verschärfen“, folgert deshalb Stefan Bund, Managing Director bei der Rating-Agentur Fitch. "Ich gehe davon aus, dass sich der Markt nicht schnell genug erholen wird, um den SIVs ein Fortbestehen in ihrer jetzigen Form zu ermöglichen.“ Die Wertverluste der Investments in den Vehikeln werden sich Bund zufolge nicht dauerhaft unter den Tisch kehren lassen: "Diese Verluste wird man früher oder später realisieren – bei den Gläubigern der SIVs und bei den Banken, die sich bei SIVs engagiert haben.“