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Mittwoch, 19. Dezember 2007

FTD: "EZB kündigt Geldschwemme an"

Gefunden bei ftd.de:

EZB kündigt Geldschwemme an
von Yasmin Osman und Doris Grass (Frankfurt)

Die Europäische Zentralbank (EZB) will Banken über den Jahreswechsel unlimitiert mit Liquidität versorgen, wenn diese beim aktuellen Zweiwochentender einen bestimmten Mindestzinssatz bieten. Die Notenbank hatte ein Hauptrefinanzierungsgeschäft mit Fälligkeit am 4. Januar ausgeschrieben.

Die Währungshüter kündigten an, alle Banken, die 4,21 Prozent oder mehr bieten und über ausreichend Sicherheiten verfügen können, vollständig zu berücksichtigen.

Normalerweise setzt sich die EZB bei ihren Geldauktionen ein Ziel für ihr Tendervolumen und verteilt dieses unter den Banken, wobei die Institute mit den höchsten Geboten zuerst kommen. Das kann bei extrem hoher Nachfrage dazu führen, dass der durchschnittliche Zuteilungssatz deutlich von der offiziellen Untergrenze von 4,0 Prozent abweicht.

Den tatsächlichen Liquiditätsbedarf der Banken schätzt die EZB auf 260,7 Mrd. Euro. Der nun gewählte Satz von 4,21 Prozent, ab dem nun alle Gebote voll berücksichtigt werden sollen, entsprach dem Durchschnittsbietungssatz des letzten Wochentenders. Händler erwarten, dass die Maßnahme der EZB zu einer Entspannung am Geldmarkt führen könnte. "Das heißt, sie will nicht teurer werden", sagte Michael Schneider, Leiter des Liquiditätsmanagements der DZ Bank.

"Die EZB ist dieses Jahr sehr innovativ, um dem Markt im Rahmen ihres Instrumentariums technisch unter die Arme zu greifen", lobte Schneider. "Tendenziell dürften die Termingeldsätze dann bei großzügiger Zuteilung der EZB zurückgehen." Zum Wochenauftakt hatten die Zinssätze für Termingeld nur teilweise nachgegeben. Tagesgeld in der Euro-Zone verteuerte sich auf 4,0 Prozent, nachdem die EZB über einen zweitägigen Schnelltender 36,6 Mrd. Euro an überschüssiger Liquidität aus dem Markt genommen hatte.

Am Devisenmarkt konnte der US-Dollar weiter zulegen. Händler führten das auf die sinkende Hoffnung auf aggressive Zinssenkungen der Fed zurück. Nach unerwartet hohen Inflationsdaten aus den USA hatten Händler die Wetten auf eine Zinssenkung am 30. Januar von 100 Prozent auf 80 Prozent heruntergefahren. "Viele Marktteilnehmer haben Verkaufspositionen auf den Dollar geschlossen, um zum Jahresende noch Gewinne aus den Positionen mitzunehmen", so Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. Der Euro rutschte unter 1,44 $ und kostete gegen 19 Uhr MEZ 1,4382 $ nach 1,4430 $ am Freitag.

Am Rentenmarkt profitierten Staatsanleihen von schwachen Aktien. Die deutsche Finanzagentur kündigte an, 2008 141 Mrd. Euro über Anleihen am Kapitalmarkt aufzunehmen und 72 Mrd. Euro über Geldmarktpapiere. Eine neue 30-jährige Bundesanleihe wird es 2008 nicht geben. Das existierende Papier wird aber zweimal aufgestockt.

Bankenkrise: EZB mit grösster Liquiditätsspritze in ihrer Geschichte....

Gefunden bei ftd.de (Hervorhebungen von mir hinzugefügt):

EZB-Liquiditätsspritze beruhigt Geldmarkt
von Doris Grass (Frankfurt)
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Banken der Eurozone über den Jahreswechsel die größte Liquiditätsspritze in ihrer Geschichte bereit gestellt. Sie teilte bei ihrem Zwei-Wochen-Tender die Rekordsumme von 348,6 Mrd. Euro zu.

Angesichts eines auslaufenden Geschäfts über 218,5 Mrd. Euro pumpte die EZB damit netto 130 Mrd. Euro zusätzlich in das Bankensystem. Die Währungshüter hatten schon am Vortag angekündigt, dass sie ab einem Mindestzins von 4,21 Prozent unlimitiert Mittel bereit stellen würden, um die kurzfristigen Geldmarktzinsen nahe dem Leitzins von 4,0 Prozent zu halten. Der Großteil der Gelder wurde zwar zu 4,21 Prozent zugeteilt. Manche Banken zahlten aber dennoch bis zu 4,45 Prozent.

Nach der Liquiditätsspritze sanken die Zinsen für Tagesgeld und Termingeld zum Teil massiv. Da die Banken sich gegenseitig kaum Geld leihen, waren vor allem die Zinsen für mittelfristige Interbankenkredite zuletzt auf mehrjährige Hochs gestiegen. Der Tagesgeldzins sackte auf 3,65 bis 3,75 Prozent. Der Satz für zweiwöchige Ausleihungen (Euribor) rutschte um rund einen halben Prozentpunkt auf 4,4452 Prozent von 4,945 Prozent. Auch die Sätze für Termingeld fielen, wenn auch nicht so stark. Dreimonats-Geld verbilligte sich auf 4,876 Prozent von 4,949 Prozent.

Geldmarktzinsen sinken
Geldhändler bezeichneten die Aktion der EZB als Erfolg. Die Spitze bei den Geldmarktzinsen sei nun offenbar erreicht und die Lage beginne sich zu entspannen. Nach Ansicht der Geldmarktexperten der WGZ-Bank dürfte sich der Markt aber an der üppigen Liquidität in Kürze "verschlucken, so dass schon bald wieder mit einem Schnelltender der EZB zur Liquiditätsabschöpfung zu rechnen ist". Sie zeigten sich zudem verwundert, dass der höchste akzeptierte Zins bei der Auktion bei 4,45 Prozent lag, obwohl die EZB angekündigt hatte, alle Offerten ab einem Zins von 4,21 Prozent voll zuzuteilen. Am Nachmittag schrieb die EZB noch einen Langfristtender mit 92 Tagen Laufzeit über 50 Mrd. Euro aus. Hier rechnen Geldhändler nach einer Reuters-Umfrage nun mit einem gewichteten Durchschnittszins von 4,75 Prozent.

Bank of England pumpt Geld in den Markt
Auch die Bank von England (BoE) versorgte den heimischen Geldmarkt mit zusätzlichen Mitteln, und zwar über einen Drei-Monats-Tender. Sie hatte die Auktion im Rahmen der konzertierten Maßnahmen mehrerer Zentralbanken vergangene Woche angekündigt. Das Volumen war mit 10 Mrd. Pfund im Vergleich zur EZB allerdings sehr gering. Es boten auch nur wenige Banken. Sie mussten einen Mindestzins von 5,36 Prozent zahlen, um berücksichtigt zu werden. Der höchste akzeptierte Zins lag bei 6,60 Prozent, der gewichtete Durchschnittszins bei 5,95 Prozent. Zwar verzichtete die britische Notenbank bei dieser Auktion erstmals darauf, einen Strafzins von 100 Basispunkten auf den Leitzins zu verlangen.

"Das höchste Gebot lag deutlich über dem Londoner Interbanken-Zins (Libor), also gab es offensichtlich einen gewissen Bedarf, aber die Nachfrage war auch nicht so hoch, wie einige befürchtet hatten", erklärte John Wraith, Leiter Zinsstrategie bei der Royal Bank of Scotland. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass einige Institutionen lieber zur EZB gegangen sind." Einige britische Institute dürften also die niedrigeren Euro-Zinsen genutzt und beim EZB-Tender geboten haben, um das Geld dann in Pfund tauschen. Dennoch hatte auch diese Geldspritze erstmals einen positiven Effekt: Der Zins für dreimonatige Sterling-Ausleihungen (Libor) fiel auf 6,39 Prozent von 6,43 Prozent am Montag. Dagegen kletterte allerdings der Zins für zweiwöchige Sterling-Ausleihungen um 77 Basispunkte auf den Rekordwert von 6,51 Prozent.

BoE-Gouverneur King ist skeptisch für die Finanzbranche
Grossbritanniens Zentralbankgouverneur Mervyn King äußerte sich gestern skeptisch. "Wir stehen vor der Schwierigkeit, dass unsere Maßnahmen voraussichtlich keine signifikante Reduzierung der Risikoaufschläge bewirken werden", sagte King vor einem Parlamentsausschuss. Die Differenz zwischen dreimonatigen Sterling-Ausleihungen und dem Leitzins der BoE ist zwar von einem Hoch im September von 1,21 Prozentpunkten auf 0,90 Prozentpunkt gesunken, liegt aber weiterhin deutlich über den etwas über 20 Basispunkten von Anfang des Jahres.

King erwartet zudem noch weitere schlechte Neuigkeiten aus der Finanzbranche. "Dem weltweiten Bankensektor steht eine schmerzhafte Anpassung in den kommenden Monaten bevor, in denen Verluste offen gelegt und neues Kapital aufgenommen wird, um die Bankbilanzen zu reparieren", sagte er vor einem Parlamentsausschuss. Zu den konzertierten Liquiditätsspritzen von fünf Zentralbanken sagte King: "Die Maßnahmen demonstrieren, dass die Notenbanken zusammenarbeiten, um jede starke Verschärfung der Kreditkonditionen zu verhindern, die weltweit zu einer wirtschaftlichen Abschwächung führen könnten."

Mittwoch, 12. Dezember 2007

FTD: "Banken reißen sich um EZB-Geld"

Gefunden bei ftd.de:

Banken reißen sich um EZB-Geld
von Yasmin Osman und Doris Grass (Frankfurt)
Die Banken der Eurozone haben für Notenbankgeld so hohe Aufschläge wie noch nie geboten. Die Institute kamen bei der Auktion von Dreimonatsgeld der Europäische Zentralbank (EZB) im Durchschnitt bei einem Zinssatz von 4,88 Prozent zum Zuge.

Das war das höchste Niveau seit November 2000 und deutlich mehr als Marktteilnehmer erwartet hatten. Deren Prognose lag laut einer Reuters-Umfrage bei 4,79 Prozent. Händler machten für die hohe Nachfrage die durch die Kreditkrise bedingte Nervosität sowie das nahende Jahresende verantwortlich. Langfristige Mittel sind bei den Banken derzeit gefragt, weil das Jahresende naht, zu dem sie ein bestimmtes Liquiditätspolster benötigen. Wie gefragt die Mittel sind zeigen die hohen Renditeabstände zwischen Geldern, die noch in diesem Jahr fällig sind und Mitteln, die erst im Januar zurückgezahlt werden müssen: Die Spanne beträgt 0,85 Prozentpunkte.

Insgesamt teilte die EZB langfristige Liquidität im Volumen von 60 Mrd. Euro zu - Banken hatten Bietungen im Umfang von 105,1 Mrd. Euro eingereicht. Zugleich entzog sie 21 Mrd. Euro überschüssige Mittel am Tagesgeldmarkt. Beim regulären Wochentender verlieh die EZB rund 35 Mrd. Euro mehr als benötigt wurde. Der Satz für dreimonatige Euro-Ausleihungen unter Banken (Euribor) kletterte den 20. Tag in Folge auf 4,93 Prozent. Die Differenz zum Leitzins liegt damit auf Rekordniveau. Mit Spannung schaut der Markt nun nächste Woche auf den Zwei-Wochen-Tender der EZB, der ebenfalls über den Jahresschluss hinausreicht. "Es wird eine breite Bietungsspanne erwartet", sagte Jochen Teichmann, Geldhändler bei der DZ Bank.

Die Anleihekurse beendeten vor der US-Notenbanksitzung eine mehrtägige Verlustphase. Händler begründeten dies mit der Vorfreude auf die erwartete US-Zinssenkung. Auch das unerwartet schwache Ergebnis des ZEW-Index habe die Bondkurse gestützt, sagte der Nomura-Zinsstratege Charles Diebel.

Der Index, der die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten abbildet, war im Dezember unerwartet stark gefallen. "Bei einigen Marktteilnehmern hat auch die Hoffnung eine Rolle gespielt, die Fed könnte stärker als erwartet die Zinsen senken", sagte Ralf Preusser, Rentenstratege der Deutschen Bank. Der Bund-Future stieg bis 19 Uhr MEZ um 12 Stellen auf 113,64 Punkte.

Am Devisenmarkt geriet wegen des ZEW-Indexes zunächst der Euro unter Druck. Danach setzte sich eine positivere Stimmung durch. "Dazu haben die Nachrichten von Staatsfonds beigetragen, die bei UBS und Citi eingestiegen sind und auch die Aussicht auf eine Fed-Zinssenkung", sagte Ian Stannard, Devisenstratege von BNP Paribas. Niedrigzinswährungen wie Yen und Schweizer Franken gerieten unter Druck.

Aus der FTD vom 12.12.2007
© 2007 Financial Times Deutschland

Montag, 3. Dezember 2007

EZB: Zurückliegende Meldungen bzgl. Goldverkäufe

Der Vollständigkeit halber die restlichen Meldungen der EZB zum Thema Goldverkäufe - zum. die, die ich via RSS gefunden habe. Man sieht zumindest, dass sich die Verkäufe im November bis einschl. 30.11. im Vergleich zum Vorjahr ungefähr verdoppelt haben:


PRESS RELEASE
10 October 2007 - Information on gold sales during the third year of the Central Bank Gold Agreement

The total gold sales by the signatories to the Central Bank Gold Agreement (CBGA) amounted to 475.75 tonnes during the third year of the agreement, i.e. in the period of 12 months starting on 27 September 2006 and ending on 26 September 2007.

As a reminder the agreement calls for total gold sales not to exceed 500 tonnes for each of the successive periods of twelve months until 26 September 2009.

The signatories of the agreement are the following central banks: European Central Bank, Banka Slovenije, Banca d’Italia, Banco de España, Banco de Portugal, Bank of Greece, Banque centrale du Luxembourg, Banque de France, Nationale Bank van België/Banque Nationale de Belgique, Deutsche Bundesbank, Central Bank and Financial Services Authority of Ireland, De Nederlandsche Bank, Oesterreichische Nationalbank, Suomen Pankki, Schweizerische Nationalbank and Sveriges Riksbank.
European Central Bank
Directorate Communications
Press and Information Division
Kaiserstrasse 29, D-60311 Frankfurt am Main
Tel.: +49 69 1344 7455, Fax: +49 69 1344 7404
Internet: http://www.ecb.europa.eu

Reproduction is permitted provided that the source is acknowledged.

PRESS RELEASE
1 June 2007 - The ECB’s gold sales

Over the past two months, the European Central Bank (ECB) has conducted gold sales amounting to 37 tons of gold.

These sales are in full conformity with the Central Banks’ Gold Agreement, dated 27 September 2004, of which the ECB is a signatory.

Together with the gold sales of 23 tons, completed on 30 November 2006, the ECB has thus sold 60 tons of gold in the third year of the agreement, which started on 27 September 2006 and ends on 26 September 2007.

It is not the ECB’s intention to sell more gold in the current year of the agreement.
European Central Bank
Directorate Communications
Press and Information Division
Kaiserstrasse 29, D-60311 Frankfurt am Main
Tel.: +49 69 1344 7455, Fax: +49 69 1344 7404
Internet: http://www.ecb.europa.eu

Reproduction is permitted provided that the source is acknowledged.

PRESS RELEASE
1 December 2006 - The ECB’s gold sales

On 30 November 2006, the European Central Bank (ECB) has completed gold sales amounting to 23 tons of gold. These sales are in full conformity with the Central Banks’ Gold Agreement, dated 27 September 2004, of which the ECB is a signatory.
European Central Bank
Directorate Communications
Press and Information Division
Kaiserstrasse 29, D-60311 Frankfurt am Main
Tel.: +49 69 1344 7455, Fax: +49 69 1344 7404
Internet: http://www.ecb.europa.eu

Reproduction is permitted provided that the source is acknowledged.

Goldverkäufe der Zentralbanken

Die zurückliegenden Wochen waren für "Zocker", die auf steigende Kurse beim Gold gewettet hatten, sicher alles andere als gut gelaufen. Die Gründe dafür könnten u.a. an Goldverkäufen der Zentralbanken liegen.

Da wären zum einen folgende Pressemitteilung der Europäischen Zentralbank wonach die EZB bis zum 30.11. insgesamt 42t Gold in den Markt verkauft hat:

PRESS RELEASE
3 December 2007 - The ECB’s gold sales

On 30 November 2007, the European Central Bank (ECB) has completed gold sales amounting to 42 tonnes of gold. These sales are in full conformity with the Central Banks’ Gold Agreement, dated 27 September 2004, of which the ECB is a signatory.

European Central Bank
Directorate Communications
Press and Information Division
Kaiserstrasse 29, D-60311 Frankfurt am Main
Tel.: +49 69 1344 7455, Fax: +49 69 1344 7404
Internet: http://www.ecb.europa.eu

Reproduction is permitted provided that the source is acknowledged.

Und zum anderen folgender Artikel aus der Neuen Züricher Zeitung, wonach die Schweizer Nationalbank ebenfalls wieder auf der Verkäuferseite aktiv war:

3. Dezember 2007, Neue Zürcher Zeitung
Verzerrung im Goldmarkt

gvm. Im dritten Quartal wurde mehr Gold angeboten als nachgefragt. Ein wichtiger Grund für den Überschuss von 66 t waren die höheren Verkäufe der Zentralbanken, vor allem der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Von den bis September 2009 geplanten Goldverkäufe von 250 t hatte die SNB Ende September bereits 99 t realisiert. Die Analytiker der Credit Suisse werten den Angebotsüberhang als Einmaleffekt. Bereits im laufenden Quartal werde die Nachfrage das Angebot übertreffen, prognostizieren sie. Die Situation werde im kommenden Jahr anhalten und zu einem tendenziell steigenden Goldpreis führen. Die Minenproduktion nehme ab, während die Nachfrage seitens der Schmuckbranche und den Futures-Märkten steigen würden.

Sonntag, 2. Dezember 2007

Telepolis: "Credit Crunch erreicht Asien"

Gefunden bei Telepolis:

Subprime-Krise: Credit Crunch erreicht Asien

Rainer Sommer 30.11.2007
Die asiatische Wirtschaft darf nun beweisen, ob sie tatsächlich so stark ist, wie in Europa und den USA gehofft wird, während in den USA nun auch Kreditkarten- oder Leasing-Firmen in Not geraten
Während die führenden westlichen Finanzinstitute bislang schon Abschreibungen von mehr als 65 Milliarden USD auf ihre Bestände an strukturierten Finanzanlagen meldeten, hieß es bislang, dass immerhin bei asiatischen Geldhäusern dahingehend kaum relevante Engagements vorliegen würden. Tatsächlich hatte sich die asiatische Finanzszene eher auf den China-zentrierten Aktienmarkt konzentriert und die Probleme der amerikanischen und europäischen Geldhäuser lange beiseite geschoben.

In den letzten Wochen dürften sich die Märkte jedoch auf die Frage konzentriert haben, ob denn nicht auch in Asien "toxic waste" vorhanden sei und so manche ruinösen Abschreibungsbedarf haben könnten. In der Folge liegen wie die westlichen Aktienbörsen jetzt auch die asiatischen Indizes allesamt trotz der dieswöchigen Kursavancen um die zehn Prozent unter den jüngsten Höchstständen. Denn angesichts der anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten sah sich Federal Reserve Vice Chairman Donald Kohn genötigt, in einer Rede die Befürchtung zu äußern, dass diese Turbulenzen auch die Kredite an Unternehmen und Konsumenten verringern könnten. Das deuteten die Finanzmärkte als klaren Hinweis auf weitere Leitzinssenkungen, was der New Yorker Aktienbörse die stärkste Zwei-Tages-Rally seit 2004 einbrachte und die Börsen weltweit stärkte.

Vergangene Woche war in Asien jedoch eine "Flucht in die Qualität" erfolgt, die nicht weniger rapide und kräftig ausfiel, als jene im August an der Wall Street und in Europa. So fiel die Umlaufrendite von chinesischen und koreanischen 3-Monats-Papieren mit staatlicher Garantie durch die gewaltige Nachfrage innerhalb weniger Tage von vier auf ein Prozent, was überhaupt noch nie vorgefallen ist.

Verkauft wurde letzte Woche aber nicht nur alles, was typischerweise mit Risiken behaftet ist, wie z.B. Aktien, sondern auch sonst eigentlich als risikolos geltenden Geldmarktfonds. Das hat in der Folge zu Stress an den Märkten für kurzfristige verbriefte Unternehmensfinanzierungen geführt und sollten die Geldmarktfonds das Vertrauen nicht rasch zurück gewinnen, könnte das drastische Folgen für die asiatische Wirtschaft haben. Und diese Woche kam es zwar zu einer leichten Befestigung der Aktienmärkte, der Stress an den CP-Märkten habe sich aber nur geringfügig abgeschwächt.

Denn die meisten Investmentfonds halten fünf bis zehn Prozent Liquidität und wohl mehr als die Hälfte davon in der Form von Geldmarktfonds. Diese Fonds bilden normalerweise kostengünstig den Geldmarktsatz ab und investieren in Commercial Paper (CP), kurzfristige Schuldtitel von z. B. Unternehmen; aber auch in die nun so anrüchig gewordenen strukturierten Papiere wie CDOs (Doppelte Niederlage für Wall Street-Mathematik). Jedenfalls fließt die Liquiditätshaltung der in Summe billiardenschweren Investmentfonds über die Geldmarktfonds in die kurzfristige Finanzierung von Unternehmen und Finanzinstituten, was ökonomisch eine sehr effiziente Angelegenheit ist und den Interessen beider Seiten dient. Fließen jetzt aber Gelder aus Geldmarktfonds ab, müssen diese ihre CDs und CDOs verkaufen um die Rückflüsse auszuzahlen. Diese dürften (verlässliche Zahlen gibt es nicht) erheblich gewesen sein, wie die Kursexplosion der sicheren Anlagen eindrucksvoll demonstriert, als diese Gelder plötzlich in Staatspapiere umgeleitet wurden.

Zur aktuellen Instabilität der Finanzmärkte dürfte auch beitragen, dass derzeit die Yen-carry-trades (der Kauf hochrentierlicher Anlagen/Währungen mit Yen-Niedrigzinsen) den Rückwärtsgang eingelegt haben. So stieg seit Anfang Oktober der Yen zum Dollar von Y118 auf Y108, was auf einen gewaltigen Yen-Bedarf aus dem Abbau an Yen-finanzierten Positionen schließen lässt. Betroffen ist nicht zuletzt die Tokioter Börse, wo der marktbreite Topix-Index heuer bereits 15 Prozent verloren hat. In den letzten Tagen dürfte sich zudem der Abbau bei riskanten koreanischen Anlagen beschleunigt haben. Jedenfalls hat der koreanische Won zuletzt sogar gegenüber dem Dollar verloren, von der Börse ganz zu schweigen, die in den letzten Wochen bereits mehr als zehn Prozent abgebröckelt ist.

Obwohl die Chinesische Börse wegen der internen Dynamik vom Carry-trade nicht so stark beeinflusst werden dürfte wie andere Märkte, haben die Kurse zuletzt ebenfalls stark nachgegeben, wobei die Aktien aber noch immer gut doppelt so hoch stehen wie vor einem Jahr. Angesichts der hohen Zahl an hysterisch-euphorischen Privatanlegern, die noch dazu gerne Gelder aus angeblichen Konsum- oder Hypothekartkrediten an die Börse leiten, könnte sie nun schwer unter einer Regierungsmaßnahme zu leiden haben. Denn die chinesische Regierung hat die Banken eindringlich aufgefordert, am Jahresende keinesfalls höhere Kredite ausstehen zu haben als am 31. Oktober. Angesichts der chinesischen Neigung, auf Kredit zu spekulieren, ergibt sich aus diesem behördlich verordneten Einfrieren der Kreditvergaben viel Potential für eine Dynamisierung einer eventuellen asiatischen Finanzkrise.

In Europa und in den USA bleibt die Unicherheit hoch
Der "European Covered Bond Council" hat den Handel mit Hypotheken bezogenen Bonds gerade ausgesetzt, weil sich die Ankauf/Verkauf-Spreads übermäßig stark ausgeweitet hatten und die Interbank-3-Monats-Zinsen so weit über den vergleichbaren Staatspapieren liegen wie zuletzt während des Börsencrash von 1987. Daran änderte sich auch wenig, nachdem die EZB auch bei ihrem dieswöchigen Tender wesentlich mehr Geld zugeteilt hat, als erwartet worden war.

Noch größer dürfte das Misstrauen gegenwärtig aber in den USA sein, jedenfalls ließ die gewaltige Nachfrage nach soliden Staatspapieren die Rendite der zehnjährigen US-Treasurys in den letzten drei Wochen um 48 Basispunkte (Bp.) auf 3,84% sinken, die damit erstmals seit Frühling 2004 wieder unter der vergleichbaren deutschen Euro-Anleihen rentierten.

Dennoch sollte man die USA ökonomisch vielleicht nicht so rasch abschreiben, wie es die aktuelle Dollar-Hysterie nahe legen würde. Denn da sich die Kosten für langfristige Kredite generell an den Renditen der Staatsanleihen orientieren, werden die jetzt höheren Risikoaufschläge für viele Unternehmen von den sinkenden Basiszinsen mehr als kompensiert. Die Rettung könnte aber diesmal vielleicht sogar nicht durch "Corporate-Amerika", die großen börsenotierten Multis, erfolgen, sondern durch amerikanische Klein- und Mittelbetriebe. Denn während die Multis ihre Produktionen eher an ausländische Standorte verlagert haben, sind kleine Unternehmen in den letzten Jahren zusehends in Exportmärkte vorgedrungen, was seit dem Jahr 2000 stetig einfacher wurde, da der USD gegenüber dem Euro seither im Schnitt jährlich zehn Prozent verloren hat. Dementsprechend entfällt seit 2000 der gesamte Beschäftigungszuwachs auf Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern, und angesichts des zweifelsfrei unternehmerfreundlichen Umfelds scheinen Schätzungen realistisch, die allein vom Exportwachstum der KMUs für 2008 einen wenigstens einprozentigen BIP-Wachstumsbeitrag erwarten.

Derartige Impulse dürfte die US-Wirtschaft allerdings immer nötiger bedürfen, da neben den Immobilienkrediten gerade zwei weitere Säulen des amerikanischen Privatkonsums ins Wanken geraten: Zum einen zeigen die jüngsten Quartalsergebnisse der Auto- und Ratenfinanzierungsgesellschaften rapide verschlechterte Kreditqualität; zum anderen steigen die Probleme mit den Kreditkarten, wobei jeder US-Haushalt im Schnitt Kreditkartenschulden in Höhe von 6.600 USD hat, die mit bis zu 18 % Zinsen belastet sind. Die hohen Zinsen machten diese Schulden bislang allesamt zu höchst gefragtem Material für strukturierte Kreditprodukte, was mit Ausbruch der Subprime-Krise nun aber stark nachgelassen hat. Dadurch können die Kreditkarten- oder Leasing-Firmen diese Kredite nicht mehr verkaufen und müssen ihrerseits Refinanzierungsschwierigkeiten befürchten.

Für die Märkte für strukturierte Anleihen, an denen derzeit praktisch kein Handel stattfindet, weil sich Käufer und Verkäufer nicht auf Preise einigen können, könnte indes im Dezember die Stunde der Wahrheit herannahen. Denn da läuft bei einigen großen und in solchen Papieren engagierten Hedge Fonds – von denen im Verlauf der Krise erstaunlicherweise nichts mehr zu hören war - die Kapitalbindungsperiode aus, die ihre Investoren abzuwarten hatten, die im Sommer ihr Geld abziehen wollten. Sollten die betroffenen Fonds dafür keine Finanzierung auftreiben können, müssten größere Mengen dieser derzeit ja als unverkäufliche geltenden Papiere auf den Markt kommen, was kaum zur Beruhigung der Lage beitragen wird.

Kreditkrise: EZB verdoppelt Laufzeit des Tendergeschäfts...

Gefunden bei nzz.ch (Hervorhebung von mir hinzugefügt):

1. Dezember 2007, Neue Zürcher Zeitung
EZB verdoppelt Laufzeit des Tendergeschäfts
Verhinderung eines Liquiditätsengpasses

(Reuters) Mit einer Verlängerung ihres wöchentlichen Hauptrefinanzierungsgeschäfts will die Europäische Zentralbank (EZB) einen Liquiditätsengpass zum Jahreswechsel verhindern. Wegen des hohen Finanzierungsbedarfs solle die Laufzeit des Tenders am 19. Dezember auf zwei Wochen verdoppelt werden, teilte die Notenbank am Freitag mit. Daraufhin sanken die Zinsen am Geldmarkt. Zuvor wurden für Drei-Monate-Geld mehr als 4,8% verlangt – das war der höchste Zinssatz seit Anfang 2001. Die Finanzkrise hatte sich zuletzt verschärft, weil Banken im Geldgeschäft untereinander immer höhere Zinsaufschläge verlangten. Seit Bekanntwerden der US-Immobilienkrise im August leihen sich die Banken untereinander kaum noch Geld, sondern horten es stattdessen, um für mögliche Kreditausfälle gewappnet zu sein. Die EZB kündigte an, die Entwicklung am Geldmarkt genau zu verfolgen. Experten begrüssten den Schritt der Notenbank. Sie wisse nicht, ob das genug sein werde, aber es sei hilfreich, sagte eine Sprecherin von BNP Paribas. Sie fügte hinzu, dass das Geschäft vielleicht noch mehr hätte verlängert werden können.

Sonntag, 25. November 2007

Handelsblatt: "EZB warnt vor Inflation"

Gefunden bei handelsblatt.com:

HANDELSBLATT, Samstag, 24. November 2007, 17:51 Uhr
EZB warnt vor Inflation
Die hohe Inflation und die ebenfalls hohen Inflationsprognosen für die kommenden Monate sind für die Europäische Zentralbank ein Warnsignal. Chefvolkswirt Jürgen Stark erklärte in einem Interview, er sehe zurzeit einen globalen Trend zu stärkerer Verteuerung.

HB BERLIN. Die Europäische Zentralbank (EZB) zeigt sich beunruhigt wegen des erwarteten Anstiegs der Inflation. „Wir nehmen es sehr ernst, dass Schätzungen für Oktober auf eine Inflationsrate von 2,6 Prozent hinweisen“, sagte Jürgen Stark, EZB-Chefvolkswirt und Direktoriumsmitglied, der „Welt am Sonntag“ nach einem Vorabbericht vom Samstag. „Zumal wir nicht nur in diesem einen Monat, sondern auch noch Anfang kommenden Jahres mit erhöhten Inflationsraten rechnen müssen.“

Allerdings handle es sich dabei um ein temporäres Phänomen. Der Preissteigerungsdruck werde im zweiten Halbjahr 2008 wieder abnehmen. Dennoch sagte Stark: „Wir können mit der derzeitigen Entwicklung nicht zufrieden sein.“

Stark bekräftigte die Bereitschaft des EZB-Rates, bei Gefahren für das Preisniveau sofort zu handeln: „Unser Beitrag für nachhaltiges Wachstum ist ein stabiles Preisniveau. Deshalb werden wir höhere Inflationsraten nicht zulassen.“ Es sei jetzt wichtig, dass im Euroraum keine sogenannten Zweitrundeneffekte durch zu hohe Lohnabschlüsse entstünden. Bislang gebe es aber von der Lohnseite her nicht den Druck, den die EZB befürchtet habe. Er betonte, dass die EZB möglichen Versuchen „sofort entgegenwirken“ werde, wegen höherer Rohstoffpreise auch kräftigere Lohnsteigerungen durchzusetzen.

Nach Ansicht von Stark dürfte die Inflation aber nicht nur im Euroraum, sondern weltweit zunehmen: „Das Risiko global steigender Inflation ist größer geworden.“ Durch die Globalisierung hätte es bislang einen dämpfenden Effekt auf die Importpreise gegeben, der allerdings durch höhere Rohstoffpreise ausgeglichen worden sei. „Jetzt könnte der dämpfende Effekt langsam schwinden, während der Effekt durch die höheren Rohstoffpreise zunächst wohl erhalten bleibt“, sagte Stark.

Trotz der höheren Risiken infolge der Finanzkrise rechnet Stark „aus heutiger Sicht mit solidem Wachstum im Euroraum“. Die Unternehmen erwirtschafteten höhere Gewinne, und insbesondere die deutsche Wirtschaft sei durch Reformen anpassungsfähiger geworden. Zudem profitierten die europäischen Exporteure vom weiterhin robusten Wachstum in den asiatischen Schwellenländern.

Stark hält deshalb weiterhin knapp fünf Prozent weltwirtschaftliches Wachstum für möglich. Nach Meinung von Stark droht auch keine Stagflationsgefahr: „Ich würde ein etwas gedämpftes Wachstum bei leicht erhöhtem Risiko für die Preisstabilität nicht so bezeichnen.“

Zur zunehmenden Dollarschwäche erklärte das EZB-Direktoriumsmitglied, der Wechselkurs habe dazu beigetragen, dass die Preisentwicklung insbesondere bei den Rohstoffen gebremst worden sei. Er bekräftigte, grundsätzlich wünsche die EZB keine starken Wechselkursschwankungen: „Sie sind schädlich für das Wachstum. Mehr ist dem nicht hinzuzufügen.“ Zur Frage, ob der Euro den Dollar als Leitwährung ablösen könnte, antwortete Stark, die EZB und der Euro hätten zwar global einen hohen Grad an Vertrauen gewonnen. Er ergänzte: „Wie sich die Dinge in Zukunft entwickeln, werden nicht wir, sondern die Märkte entscheiden.“