Mittwoch, 19. Dezember 2007

FTD: "EZB kündigt Geldschwemme an"

Gefunden bei ftd.de:

EZB kündigt Geldschwemme an
von Yasmin Osman und Doris Grass (Frankfurt)

Die Europäische Zentralbank (EZB) will Banken über den Jahreswechsel unlimitiert mit Liquidität versorgen, wenn diese beim aktuellen Zweiwochentender einen bestimmten Mindestzinssatz bieten. Die Notenbank hatte ein Hauptrefinanzierungsgeschäft mit Fälligkeit am 4. Januar ausgeschrieben.

Die Währungshüter kündigten an, alle Banken, die 4,21 Prozent oder mehr bieten und über ausreichend Sicherheiten verfügen können, vollständig zu berücksichtigen.

Normalerweise setzt sich die EZB bei ihren Geldauktionen ein Ziel für ihr Tendervolumen und verteilt dieses unter den Banken, wobei die Institute mit den höchsten Geboten zuerst kommen. Das kann bei extrem hoher Nachfrage dazu führen, dass der durchschnittliche Zuteilungssatz deutlich von der offiziellen Untergrenze von 4,0 Prozent abweicht.

Den tatsächlichen Liquiditätsbedarf der Banken schätzt die EZB auf 260,7 Mrd. Euro. Der nun gewählte Satz von 4,21 Prozent, ab dem nun alle Gebote voll berücksichtigt werden sollen, entsprach dem Durchschnittsbietungssatz des letzten Wochentenders. Händler erwarten, dass die Maßnahme der EZB zu einer Entspannung am Geldmarkt führen könnte. "Das heißt, sie will nicht teurer werden", sagte Michael Schneider, Leiter des Liquiditätsmanagements der DZ Bank.

"Die EZB ist dieses Jahr sehr innovativ, um dem Markt im Rahmen ihres Instrumentariums technisch unter die Arme zu greifen", lobte Schneider. "Tendenziell dürften die Termingeldsätze dann bei großzügiger Zuteilung der EZB zurückgehen." Zum Wochenauftakt hatten die Zinssätze für Termingeld nur teilweise nachgegeben. Tagesgeld in der Euro-Zone verteuerte sich auf 4,0 Prozent, nachdem die EZB über einen zweitägigen Schnelltender 36,6 Mrd. Euro an überschüssiger Liquidität aus dem Markt genommen hatte.

Am Devisenmarkt konnte der US-Dollar weiter zulegen. Händler führten das auf die sinkende Hoffnung auf aggressive Zinssenkungen der Fed zurück. Nach unerwartet hohen Inflationsdaten aus den USA hatten Händler die Wetten auf eine Zinssenkung am 30. Januar von 100 Prozent auf 80 Prozent heruntergefahren. "Viele Marktteilnehmer haben Verkaufspositionen auf den Dollar geschlossen, um zum Jahresende noch Gewinne aus den Positionen mitzunehmen", so Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. Der Euro rutschte unter 1,44 $ und kostete gegen 19 Uhr MEZ 1,4382 $ nach 1,4430 $ am Freitag.

Am Rentenmarkt profitierten Staatsanleihen von schwachen Aktien. Die deutsche Finanzagentur kündigte an, 2008 141 Mrd. Euro über Anleihen am Kapitalmarkt aufzunehmen und 72 Mrd. Euro über Geldmarktpapiere. Eine neue 30-jährige Bundesanleihe wird es 2008 nicht geben. Das existierende Papier wird aber zweimal aufgestockt.

Bankenkrise: EZB mit grösster Liquiditätsspritze in ihrer Geschichte....

Gefunden bei ftd.de (Hervorhebungen von mir hinzugefügt):

EZB-Liquiditätsspritze beruhigt Geldmarkt
von Doris Grass (Frankfurt)
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Banken der Eurozone über den Jahreswechsel die größte Liquiditätsspritze in ihrer Geschichte bereit gestellt. Sie teilte bei ihrem Zwei-Wochen-Tender die Rekordsumme von 348,6 Mrd. Euro zu.

Angesichts eines auslaufenden Geschäfts über 218,5 Mrd. Euro pumpte die EZB damit netto 130 Mrd. Euro zusätzlich in das Bankensystem. Die Währungshüter hatten schon am Vortag angekündigt, dass sie ab einem Mindestzins von 4,21 Prozent unlimitiert Mittel bereit stellen würden, um die kurzfristigen Geldmarktzinsen nahe dem Leitzins von 4,0 Prozent zu halten. Der Großteil der Gelder wurde zwar zu 4,21 Prozent zugeteilt. Manche Banken zahlten aber dennoch bis zu 4,45 Prozent.

Nach der Liquiditätsspritze sanken die Zinsen für Tagesgeld und Termingeld zum Teil massiv. Da die Banken sich gegenseitig kaum Geld leihen, waren vor allem die Zinsen für mittelfristige Interbankenkredite zuletzt auf mehrjährige Hochs gestiegen. Der Tagesgeldzins sackte auf 3,65 bis 3,75 Prozent. Der Satz für zweiwöchige Ausleihungen (Euribor) rutschte um rund einen halben Prozentpunkt auf 4,4452 Prozent von 4,945 Prozent. Auch die Sätze für Termingeld fielen, wenn auch nicht so stark. Dreimonats-Geld verbilligte sich auf 4,876 Prozent von 4,949 Prozent.

Geldmarktzinsen sinken
Geldhändler bezeichneten die Aktion der EZB als Erfolg. Die Spitze bei den Geldmarktzinsen sei nun offenbar erreicht und die Lage beginne sich zu entspannen. Nach Ansicht der Geldmarktexperten der WGZ-Bank dürfte sich der Markt aber an der üppigen Liquidität in Kürze "verschlucken, so dass schon bald wieder mit einem Schnelltender der EZB zur Liquiditätsabschöpfung zu rechnen ist". Sie zeigten sich zudem verwundert, dass der höchste akzeptierte Zins bei der Auktion bei 4,45 Prozent lag, obwohl die EZB angekündigt hatte, alle Offerten ab einem Zins von 4,21 Prozent voll zuzuteilen. Am Nachmittag schrieb die EZB noch einen Langfristtender mit 92 Tagen Laufzeit über 50 Mrd. Euro aus. Hier rechnen Geldhändler nach einer Reuters-Umfrage nun mit einem gewichteten Durchschnittszins von 4,75 Prozent.

Bank of England pumpt Geld in den Markt
Auch die Bank von England (BoE) versorgte den heimischen Geldmarkt mit zusätzlichen Mitteln, und zwar über einen Drei-Monats-Tender. Sie hatte die Auktion im Rahmen der konzertierten Maßnahmen mehrerer Zentralbanken vergangene Woche angekündigt. Das Volumen war mit 10 Mrd. Pfund im Vergleich zur EZB allerdings sehr gering. Es boten auch nur wenige Banken. Sie mussten einen Mindestzins von 5,36 Prozent zahlen, um berücksichtigt zu werden. Der höchste akzeptierte Zins lag bei 6,60 Prozent, der gewichtete Durchschnittszins bei 5,95 Prozent. Zwar verzichtete die britische Notenbank bei dieser Auktion erstmals darauf, einen Strafzins von 100 Basispunkten auf den Leitzins zu verlangen.

"Das höchste Gebot lag deutlich über dem Londoner Interbanken-Zins (Libor), also gab es offensichtlich einen gewissen Bedarf, aber die Nachfrage war auch nicht so hoch, wie einige befürchtet hatten", erklärte John Wraith, Leiter Zinsstrategie bei der Royal Bank of Scotland. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass einige Institutionen lieber zur EZB gegangen sind." Einige britische Institute dürften also die niedrigeren Euro-Zinsen genutzt und beim EZB-Tender geboten haben, um das Geld dann in Pfund tauschen. Dennoch hatte auch diese Geldspritze erstmals einen positiven Effekt: Der Zins für dreimonatige Sterling-Ausleihungen (Libor) fiel auf 6,39 Prozent von 6,43 Prozent am Montag. Dagegen kletterte allerdings der Zins für zweiwöchige Sterling-Ausleihungen um 77 Basispunkte auf den Rekordwert von 6,51 Prozent.

BoE-Gouverneur King ist skeptisch für die Finanzbranche
Grossbritanniens Zentralbankgouverneur Mervyn King äußerte sich gestern skeptisch. "Wir stehen vor der Schwierigkeit, dass unsere Maßnahmen voraussichtlich keine signifikante Reduzierung der Risikoaufschläge bewirken werden", sagte King vor einem Parlamentsausschuss. Die Differenz zwischen dreimonatigen Sterling-Ausleihungen und dem Leitzins der BoE ist zwar von einem Hoch im September von 1,21 Prozentpunkten auf 0,90 Prozentpunkt gesunken, liegt aber weiterhin deutlich über den etwas über 20 Basispunkten von Anfang des Jahres.

King erwartet zudem noch weitere schlechte Neuigkeiten aus der Finanzbranche. "Dem weltweiten Bankensektor steht eine schmerzhafte Anpassung in den kommenden Monaten bevor, in denen Verluste offen gelegt und neues Kapital aufgenommen wird, um die Bankbilanzen zu reparieren", sagte er vor einem Parlamentsausschuss. Zu den konzertierten Liquiditätsspritzen von fünf Zentralbanken sagte King: "Die Maßnahmen demonstrieren, dass die Notenbanken zusammenarbeiten, um jede starke Verschärfung der Kreditkonditionen zu verhindern, die weltweit zu einer wirtschaftlichen Abschwächung führen könnten."

ORF: "Autofahren tut weh"

Und noch ein Artikel zum Thema "Inflation" - gefunden bei orf.at:


Autofahren tut weh
Autofahren ist so teuer wie letztmals vor sieben Jahren.
So tief wie letztmals vor sieben Jahren müssen Autofahrer in die Tasche greifen. Der November 2007 hat einen enormen Kostenschub gebracht.

Im Jahresvergleich sind die Autokosten um 6,2 Prozent gestiegen, wobei die größten Preistreiber die Sprit- und Parkplatzkosten waren, rechnet der ARBÖ vor. Die Inflation lag im November bei enorm hohen 3,1 Prozent - Preistreiber war dabei, neben ebenfalls rapide gestiegenen Nahrungsmittelkosten, gerade auch der Treibstoff.

20 Prozent plus beim Spritpreis
Die Spritpreise stiegen im Vergleich zum November 2006 um knapp 20 Prozent. Bei den Parkgebühren wurde ein Plus von 23,5 Prozent und beim Parkpickerl von 6,8 Prozent verzeichnet.

Verteuerungen beim Service
Deutlich mehr kosteten auch: Prüfpickerl (plus 8,5 Prozent), Ölservice (plus 7,3 Prozent), Autobatterien (plus 6,8 Prozent) und Scheibenwischer (plus 6,4 Prozent), Reifenservice (plus 5,7 Prozent), Kfz-Elektrikerstunde (plus 4,5 Prozent), Klimaanlagenservice (plus 4,7 Prozent) und Autozündkerzen (plus 4,6 Prozent).

Kfz-Haftpflicht wird auch teurer
Teurer wurden nun auch wieder die Prämien für die Kfz-Haftpflichtversicherung. Viele Versicherte haben zuletzt einen Brief von ihrer Autoversicherung bekommen, in dem eine Indexanpassung angekündigt wurde.

ARBÖ richtet sich an Wettbewerbsbehörde
In einem Brief an die Wettbewerbsbehörde verweist der ARBÖ auf das Missverhältnis zwischen den Dieselpreisen in Österreich und der Preisentwicklung auf dem Spotmarkt in Rotterdam in den letzten 14 Tagen.

Konkret fordert der ARBÖ die nationale Wettbewerbsbehörde auf, die jüngste Entwicklung der Dieselpreise zu hinterfragen. Diese waren in den letzten vierzehn Tagen in Rotterdam um 15 Prozent regelrecht eingebrochen, während sie in Österreich die längste Zeit noch anstiegen und dann nur um 1,7 Prozent nachgaben.

BüSo: "Unwillkommenes Weihnachtsgeschenk: Hyperinflation"

Ein interessanter Artikel zur Berechnung der "offiziellen Inflationsrate" im Vergleich zur "gefühlten Inflationsrate".

Gefunden bei bueso.de:


17 December, 2007 - 17:11
Unwillkommenes Weihnachtsgeschenk: Hyperinflation

Die gängigen Chefökonomen haben offensichtlich ihren Beruf verfehlt: als Barmixer wären sie näher an der Realität als mit der Art, wie sie derzeit die Inflationsraten aus isolierten Elementen zusammenmischen, so daß ein scheinbar beruhigender 3%-Cocktail herauskommt. Auch die leicht darüber liegenden 4,3%, die die erwähnten Experten für die Eurozonenländer für den Anstieg bei Lebensmittelpreisen im November festgestellt haben, oder die 4,8% für die USA und 5,1% für (Eurozonen-Nichtmitglied) England geben nicht wieder, was sich wirklich abspielt.

Der Normalbürger, und das sind etwa 80% der Bevölkerung mit im besten Falle gerade so hinreichendem Einkommen, erlebt beim Einkauf ganz andere Preisexplosionen, und das spürt er sofort im Portemonnaie. Der "Warenkorb", den das Statistische Bundesamt regelmäßig untersucht, enthält eben die Teile des Normaleinkommens, in denen auch die stärkste Kosteninflation stattfindet: Wohnung, Heizen, Strom- und Wasserverbrauch machen 30% der durchschnittlichen regelmäßigen Ausgaben aus, weitere 10% stehen für Nahrungsmittel zur Verfügung, und noch einmal 14% für Transport einschließlich Treibstoffkosten.

Allein was Heizungskosten betrifft, so haben knapp die Hälfte aller Gasversorger bereits Preiserhöhungen ab Januar 2008 angekündigt, die regional bis zu 40% ausmachen können, und das wird den Durchschnittshaushalt im kommenden Jahr mit zusätzlich etwa 240-250 Euro belasten. Auch Heizöl wurde 23,7% teurer. Vergleichbar drastische Erhöhungen gibt es bei Lebensmitteln, wo sie bei Salz (4,7%) und Brot (5,4%) noch "milde" ausfallen, bei gewissen Gemüsesorten wie Paprika aber bereits bei mehr als 21% liegen, bei Milch bereits nahe an 30%, bei Milchprodukten schon nahe 40 und 50%. Und wer jetzt Christstollen bäckt, muß allein fürs Mehl schon 19% mehr auf den Tisch legen als noch im Vorjahr, Die genannten Zahlen beziehen sich alle auf den November 2007 im Vergleich mit dem gleichen Monat des Vorjahres.

Besonders kritisch ist die Lage für Bezieher von Niedrigsteinkommen, wozu insbesondere der Komplex "Hartz IV" gehört. Wer als Pendler auf das eigene Auto für den Weg zur Arbeit und zurück nach Haus angewiesen ist, muß im Schnitt 17-19% mehr für Benzin ausgeben als Ende 2006, und wenn das Einkommen vor einem Jahr gerade so hinreichte, so können viele Bürger Mehrkosten beim Benzin in Höhe von 50 Euro und mehr pro Monat nicht mehr tragen. Dem entspricht, daß kürzlich nahezu zwei Drittel der Bürger in einer Umfrage sagten, bei einem Benzinpreis von 1,50 wären sie gezwungen, auf die Bahn umzusteigen - obwohl auch dort aufgrund der Streichung von Bundeszuschüssen für den Nahverkehr die Preise ansteigen.

All das in Betracht gezogen, bleibt ein Rätsel, was selbst gewerkschaftsnahe "Experten" wie Gustav Horn (Institut für Makroökonomie) dazu antreibt, gleichtönend mit gewerkschaftsfernen "Experten" wie Michael Heise (Allianz und Dresdner Bank) eben dieser Tage zu verkünden, die Inflation sei gar nicht so schlimm und würde (so Horn) im Frühjahr 2008 sogar sichtlich zurückgehen. Außerdem (wieder Horn) handele es sich um "Einzelfälle" bei den Preissteigerungen, daher könne man von "Inflation" im klassischen Sinne nicht reden. Diese Fehleinschätzungen und die damit zusammenhängende Propaganda in den Medien sind um so bedauerlicher, als sich die Dynamik der Inflation schon seit einiger Zeit überhaupt nicht mehr übersehen läßt. Nicht die Inflation verschwindet, sondern die Glaubwürdigkeit jener "Experten." Statt dessen steigt die Glaubwürdigkeit Lyndon LaRouches, dessen mittlerweile weit bekannte "Dreifachkurve" das völlige Auseinanderklaffen von realer Wirtschaft einerseits und der spekulationsgestützten Geldwirtschaft andererseits ebenso drastisch wie zutreffend darstellt. Die beginnende Hyperinflation mit Tendenz zu einer Wiederholung der Weimarer Inflationsexplosion des Jahres 1923 ist ein unwillkommenes Weihnachtsgeschenk des Monetarismus an die Bürger, und der Weihnachtsmann ist überschuldet und womöglich schon längst verpfändet.

Mittwoch, 12. Dezember 2007

Anleiheversicherer MBIA: 1 Milliarde Dollar Finanzspritze

Gefunden bei handelsblatt.com:

HANDELSBLATT, Montag, 10. Dezember 2007, 19:06 Uhr
Anleiheversicherer

Milliarden-Finanzspritze für MBIA
Finanzinvestor Warburg Pincus engagiert sich beim weltgrößte Anleiheversicherer MBIA: Eine Finanzspritze von einer Milliarde US-Dollar soll die Kapitalbasis von MBIA stärken. Wegen des Wertverfalls von Anleihen, die durch Subprime-Hypotheken abgesichert sind, hatten Investoren zuletzt mit Sorge auf das Unternehmen geblickt.

HB NEW YORK. Der weltgrößte Anleiheversicherer MBIA bekommt vom Finanzinvestor Warburg Pincus eine Finanzspritze von einer Milliarde Dollar. Damit werde die eigene Kapitalbasis gestärkt, teilte MBIA am Montag mit. Demnach will Warburg zunächst mit 500 Millionen Dollar gut 16 Millionen MBIA -Aktien zu einem Stückpreis von 31 Dollar kaufen. Weitere bis zu 8,7 Millionen Aktien könne der Investor später für je 40 Dollar erwerben. Warburg werde darüber hinaus zwei neue Mitglieder des MBIA -Boards stellen, dem dann insgesamt 13 Manager angehören sollen.

Die Ankündigung ließ die Aktien von MBIA an der Wall Street zeitweise um bis zu 25 Prozent in die Höhe schnellen. Gegen Mittag verzeichneten sie noch ein Plus von rund 16 Prozent auf 34,79 Dollar. MBIA hatte in der vergangenen Woche erklärt, sich nach Möglichkeiten umzuschauen, seine Kapitalbasis zu verbessern. Unter Investoren gab es die Sorge, das im Bundesstaat New York ansässige Unternehmen könne in eine ernste Liquiditätskrise geraten - wegen des Wertverfalls von Anleihen, die durch Subprime-Hypotheken abgesichert sind.

Trotz der Warburg-Finanzspritze will MBIA nach eigenen Angaben weiter auch andere Optionen prüfen.

Freddie Mac erwartet 10 Milliarden Dollar Verlust

Gefunden bei finanznachrichten.de:


11.12.2007 18:59
Freddie Mac erwartet 12 Milliarden Dollar Verlust

Boston (BoerseGo.de) – Die Hypothekenbank Freddie Mac erwartet, wie der Vorstandschef Richard Syron am Dienstag bekannt gab, einen Verlust aus dem Kreditgeschäft im 4. Quartal zwischen 10 Milliarden und 12 Milliarden Dollar. Ursprünglich war ein Wert von 17 Milliarden Dollar angesetzt worden. Die Hauspreise könnten zudem noch um rund 10 Prozent weiter sinken, so die Einschätzung. In Kalifornien und Florida seien gar noch Preisrückgänge um bis zu 27 Prozent möglich, so die Aussage. Die Ausfallrate der Kredite wurde auf 3 bis 3,5 Prozent taxiert.

Freddie Mac verlieren 5,25 Prozent auf 33,20 Dollar.
(© BörseGo AG 2007 - http://www.boerse-go.de, Autor: Wolf Andreas, Redakteur)

FAZ: "SachsenLB droht die Schließung"

Gefunden bei faz.net:

Finanzkrise in Sachsen
Der Landesbank droht die Schließung

Von Christian Geinitz

11. Dezember 2007
Die krisengeschüttelte Sachsen LB steht offenbar vor dem Ende, falls die Verkaufsverhandlungen mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) am Wochenende scheitern. Aus Sachsen hieß es am Dienstag, der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), Jochen Sanio, drohe mit der Schließung der einzigen ostdeutschen Landesbank, wenn sich die Beteiligten nicht bis Sonntag über die Risiken in den gefährdeten außerbilanziellen Engagements einigen. „Sanio hat gesagt, dann zieht er den Schlüssel“, sagte ein Verhandlungsteilnehmer. Die Bafin mit Sitz in Bonn wollte die Fristsetzung nicht bestätigen. Sachsens Finanzminister Tillich (CDU) sagte: „In Bonn ist uns gesagt worden, dass wir uns bis Sonntag zu einigen haben. Alles andere wird dann zu entscheiden sein durch die Bankenaufsicht.“

In einer Grundlagenvereinbarung hatten die LBBW und das Land Sachsen als bisheriger Mehrheitseigentümer nach einer Liquiditätskrise im August den Verkauf der Sachsen LB zum 1. Januar vereinbart. In einem ersten Schritt hatte die LBBW 250 Millionen Euro an Eigenkapital zur Verfügung gestellt. Seitdem führt die LBBW die Bank treuhänderisch und prüft ihre Bilanzen. Bis Jahresende wollte man nach Sichtung der Vermögenswerte und Risiken einen Kaufpreis vereinbaren, der zwischen 300 und 900 Millionen Euro betragen sollte. Die Unstimmigkeiten zwischen den Sachsen und den Baden-Württembergern entzünden sich jetzt an der Bewertung und vor allem der Übernahme der Risiken.

Freistaat soll mit einem Viertel des Haushalts bürgen
Die LBBW hat fragwürdige Engagements der Bank und ihrer irischen Tochtergesellschaft Sachsen LB Europe in Höhe von etwa 43 Milliarden Euro ermittelt. Wegen Fehlspekulationen am amerikanischen Immobilienmarkt fürchtet man hier Ausfälle in bisher unbekannter Höhe. Die LBBW will die Sachsen LB deshalb nur übernehmen, wenn der Freistaat Sachsen für die möglichen Ausfälle in Höhe von mindestens 10 Prozent oder 4,3 Milliarden Euro bürgt. Das entspricht mehr als einem Viertel des sächsischen Landeshaushalts. Träte die Zahlungspflicht ein, würde sich die Pro-Kopf-Verschuldung des kleinen Bundeslandes um etwa 1000 Euro auf 4800 Euro erhöhen.

Finanzminister Tillich sagte, die LBBW wolle alle Engagements in einem neuen Gesamtfonds bündeln, für den allein Sachsen einstehen solle; eine „Lastenteilung“ sähen die Württemberger nicht vor. Dass Sachsen die Ausfälle, wie in den vergangenen Tagen von den Stuttgartern gefordert, allein besichere, sei jedoch „absolut unmöglich“, sagte der Minister. Er könne nicht erkennen, warum die LBBW nicht in der Lage sei, sich an der Abschirmung zu beteiligen. Die Möglichkeiten und Risiken der Sachsen LB gemeinsam zu schultern, entspreche dem Wesen der Grundlagenvereinbarung und sei im Interesse des Finanzplatzes Deutschland.

Einigungszwang könnte Lösung bringen
Trotz der Unstimmigkeiten rechnet die sächsische Staatsregierung nicht damit, dass die Stuttgarter von dem Vertrag zurücktreten. Das sei gemäß der Grundlagenvereinbarung nur möglich, wenn die Kerneigenkapitalquote weniger als 4 Prozent betrage. Sie sei aber höher, versicherte Tillich, ohne Zahlen zu nennen. Trotz der Verhandlungen vom Wochenende und vom Montag, die offenbar ins Stocken geraten sind, zeigte sich der Minister zuversichtlich, bis Sonntag eine Lösung zu finden. „Es besteht Einigungszwang“, sagte er.

Offenbar hofft man, im Falle einer grundsätzlichen Übereinkunft weitere Finanzeinrichtungen zur Besicherung des Sammelfonds von 43 Milliarden Euro zu gewinnen. So ist an eine Beteiligung der sogenannten Sicherungsreserve der Landesbanken gedacht. Es gab bereits Gespräche mit dem Sparkassen- und Giroverband und mit der Bundesregierung.

Beteiligte sagten, die genannten 4,3 Milliarden könnten möglicherweise nicht ausreichen, um das neue gebündelte Finanzprodukt am Markt unterzubringen. Angesichts der weiterhin unsicheren Marktlage und der wachsenden Wertberichtigungen in anderen Banken könnten Investoren nur gewonnen werden, wenn 20 oder 25 Prozent der Summe von der öffentlichen Hand besichert würden; das wären bis zu 10,75 Milliarden Euro.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

FTD: "Banken reißen sich um EZB-Geld"

Gefunden bei ftd.de:

Banken reißen sich um EZB-Geld
von Yasmin Osman und Doris Grass (Frankfurt)
Die Banken der Eurozone haben für Notenbankgeld so hohe Aufschläge wie noch nie geboten. Die Institute kamen bei der Auktion von Dreimonatsgeld der Europäische Zentralbank (EZB) im Durchschnitt bei einem Zinssatz von 4,88 Prozent zum Zuge.

Das war das höchste Niveau seit November 2000 und deutlich mehr als Marktteilnehmer erwartet hatten. Deren Prognose lag laut einer Reuters-Umfrage bei 4,79 Prozent. Händler machten für die hohe Nachfrage die durch die Kreditkrise bedingte Nervosität sowie das nahende Jahresende verantwortlich. Langfristige Mittel sind bei den Banken derzeit gefragt, weil das Jahresende naht, zu dem sie ein bestimmtes Liquiditätspolster benötigen. Wie gefragt die Mittel sind zeigen die hohen Renditeabstände zwischen Geldern, die noch in diesem Jahr fällig sind und Mitteln, die erst im Januar zurückgezahlt werden müssen: Die Spanne beträgt 0,85 Prozentpunkte.

Insgesamt teilte die EZB langfristige Liquidität im Volumen von 60 Mrd. Euro zu - Banken hatten Bietungen im Umfang von 105,1 Mrd. Euro eingereicht. Zugleich entzog sie 21 Mrd. Euro überschüssige Mittel am Tagesgeldmarkt. Beim regulären Wochentender verlieh die EZB rund 35 Mrd. Euro mehr als benötigt wurde. Der Satz für dreimonatige Euro-Ausleihungen unter Banken (Euribor) kletterte den 20. Tag in Folge auf 4,93 Prozent. Die Differenz zum Leitzins liegt damit auf Rekordniveau. Mit Spannung schaut der Markt nun nächste Woche auf den Zwei-Wochen-Tender der EZB, der ebenfalls über den Jahresschluss hinausreicht. "Es wird eine breite Bietungsspanne erwartet", sagte Jochen Teichmann, Geldhändler bei der DZ Bank.

Die Anleihekurse beendeten vor der US-Notenbanksitzung eine mehrtägige Verlustphase. Händler begründeten dies mit der Vorfreude auf die erwartete US-Zinssenkung. Auch das unerwartet schwache Ergebnis des ZEW-Index habe die Bondkurse gestützt, sagte der Nomura-Zinsstratege Charles Diebel.

Der Index, der die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten abbildet, war im Dezember unerwartet stark gefallen. "Bei einigen Marktteilnehmern hat auch die Hoffnung eine Rolle gespielt, die Fed könnte stärker als erwartet die Zinsen senken", sagte Ralf Preusser, Rentenstratege der Deutschen Bank. Der Bund-Future stieg bis 19 Uhr MEZ um 12 Stellen auf 113,64 Punkte.

Am Devisenmarkt geriet wegen des ZEW-Indexes zunächst der Euro unter Druck. Danach setzte sich eine positivere Stimmung durch. "Dazu haben die Nachrichten von Staatsfonds beigetragen, die bei UBS und Citi eingestiegen sind und auch die Aussicht auf eine Fed-Zinssenkung", sagte Ian Stannard, Devisenstratege von BNP Paribas. Niedrigzinswährungen wie Yen und Schweizer Franken gerieten unter Druck.

Aus der FTD vom 12.12.2007
© 2007 Financial Times Deutschland

Auto-Branche in der krise?

Gefunden bei spiegel.de:

10. Dezember 2007
ARBEITSMARKT
Auto-Branche muss bis zu 35.000 Stellen streichen

Dem Kfz-Gewerbe droht ein immenser Abbau von Arbeitsplätzen: Nach Schätzungen des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe fallen bis Ende 2008 bis zu 35.000 Stellen weg. Das Gewerbe rechnet mit gut 1000 Insolvenzen.

Hamburg - Steht die Autobranche vor dem Arbeitsplatz-Inferno? Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) schlägt zumindest kräftig Alarm: Bis zum Jahresende dürften bei Händlern und Werkstätten rund 15.000 der insgesamt 500.000 Arbeitsplätze wegfallen, berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Angaben des ZDK. Im kommenden Jahr könnten nach Verbandseinschätzung bis zu 20.000 weitere Stellen abgebaut werden.

Laut "Bild"-Zeitung wird es zu Betriebsschließungen in erheblichem Umfang kommen - vor allem die Zahl der Autohändler werde sich 2008 dezimieren. Der ZDK rechnet mit bis zu 1000 Insolvenzen. "Zwei Drittel der bundesweit 20.000 Händler schreiben rote Zahlen", sagte ZDK-Präsident Robert Rademacher der Zeitung.

Grund für die Arbeitsplatzkrise sei unter anderem der Umsatzeinbruch im deutschen Automarkt - die Branche verbuchte im November ein Umsatzminus von 13 Prozent. Dazu komme, dass neue Pkw-Modelle besser verarbeitet sind und seltener in die Werkstatt müssen, heißt es in dem Bericht weiter. Die steigenden Benzinpreise und die Erhöhung der Mehrwertsteuer zu Beginn des Jahres bremsten das Wachstum zusätzlich.

Der Absatz an Neuwagen wird in diesem Jahr um knapp neun Prozent auf 3,16 bis 3,17 Millionen Autos zurückgehen, schätzt der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann. Im kommenden Jahr, hoffen die Hersteller, könnten die Verkäufe wieder leicht steigen - auf mindestens 3,2 Millionen Autos (mehr...). Voraussetzung dafür ist, dass die Arbeitslosigkeit weiter zurückgeht und die Einkommen steigen.

ssu/dpa-AFX

Handelsblatt: "Erdbeben im Weltfinanzsystem"

Gefunden bei handelsblatt.com:

HANDELSBLATT, Montag, 10. Dezember 2007, 07:41 Uhr
Banken in der Kreditkrise

„Erdbeben im Weltfinanzsystem“
Der Deutschland-Chef von McKinsey erwartet wegen der Kreditkrise noch weitere unangenehme Überraschungen in den Bilanzen der Banken. Im Gespräch mit dem Handelsblatt sagt Frank Mattern, das wahre Ausmaß werde sich vielleicht erst mit Vorlage der Bilanzen für 2007 offenbaren. Mit seinen Bedenken ist er nicht allein.

ben/egl/kol/mak DÜSSELDORF. So warnt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in ihrem am Sonntag vorgelegten Quartalsbericht, dass nach einer vorübergehenden Entspannung im Oktober wegen der fortgesetzten Wertverluste bei strukturierten Finanzprodukten das Klima auf den Finanzmärkten erneut deutlich verschlechtert habe. Die Experten der BIZ kritisieren dabei insbesondere die mangelnde Transparenz bei den großen Finanzunternehmen. Dies schüre die Angst vor weiter hohen Abschreibungen.

„Das wahre Ausmaß wird sich vielleicht erst mit Vorlage der Bilanzen für 2007 offenbaren“, betont auch der Deutschland-Chef der Unternehmensberatung McKinsey, Frank Mattern, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der bankenexperte spricht von einem „Erdbeben im Weltfinanzsystem“ und sagt: „Nach wie vor besteht die Gefahr, dass Fonds und Banken in größerem Umfang Notverkäufe von Wertpapieren vornehmen müssen, um sich refinanzieren zu können“.

Die Krise hatte begonnen mit massiven Ausfällen bei US-Immobilienkrediten schlechter Bonität. Da diese Risiken aber über komplexe Finanzpapiere und Verbriefungen über die ganze Welt gestreut wurden, wuchs sie sich rasch zu einer allgemeinen Bankenkrise aus. „Weltweit hat die Bankenszene noch nicht alle Risiken gehoben und beziffert, weil diese Produkte und Verträge so unglaublich trickreich und kompliziert sind“, rügt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück im „Focus“. Deswegen rechnet auch er damit, dass die Turbulenzen noch lange nicht ausgestanden sind.

In ungewöhnlicher Deutlichkeit benennt die BIZ, deren Wort als „Bank der Notenbanken“ in der Branche großes Gewicht hat, die Probleme. Zu den „verbleibenden Unsicherheiten bezüglich der Risiken an Subprime-und anderen Kreditmärkten“ verstärkten sich die Befürchtungen, „die Krise am US-Markt für Wohnimmobilien würde sich noch vertiefen und letztlich zu einer Schwächung der gesamten Wirtschaft beitragen“, schreibt die BIZ.

Gegenüber dem letzten Quartalsbericht habe sich der Auftrieb der Kreditsirikoaufschläge mit einem deutlichen Rückgang der Risikotoleranz der Anleger fortgesetzt und sei von den Märkten für zweitklassige Hypotheken auf andere Segmente übergeschwappt, so die BIZ. Dazu passen Meldungen vom Wochenende, dass nach Problemen bei Hypothekendarlehen, Kreditkartenschulden und Autofinanzierungen jetzt auch die Ausfälle bei Studentenkrediten in den USA massiv zugenommen haben. Die Zahl der Kreditausfälle habe in einigen der staatlichen und privaten Programme um teilweise mehr als ein Viertel zugenommen, berichtete das „Wall Street Journal“

Eine neue Welle von Herabstufungen des Ratings von Anleihen mit Immobilienunterlegung habe seit Mitte Oktober eine „zweite Phase einer breiten Marktschwächung ausgelöst“, so die BIZ. Zwischen dem 11. und 19. Oktober hatten Moodys und Standard&Poor’s jeweils rund 2 500 „subprime bonds“ weiter herabgestuft. Davon betroffen war ein Anleihevolumen von 80 Mrd. Dollar. Bei den im letzten Jahr emittierten Anleihen mit Subprime-Hypothekenunterlegung, die ein Rating von AA aufwiesen, haben Investoren nach Berechnungen der BIZ auf marktnaher Bewertung von Ende August bis Ende November 2007 30 Prozent verloren. Projektionen der BIZ suggerieren weiterhin, dass schon kleine Veränderungen in der Performance verbriefter Hypotheken relativ großen Einfluss auf Instrumente am Ende der Verbriefungskette haben können. Dies, so die BIZ-Experten, erklärt einen Teil der vorherrschenden Unsicherheit.

Um dieser Unsicherheit entgegenzuwirken wird das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) heute Richtlinien für die Bewertung und Verbuchung der von der Krise betroffenen Wertpapiere durch die Banken vorlegen. „Wir gehen davon aus, dass dies eine wichtige Hilfestellung für die Institute sein wird", sagt Katrin Rohmann, Partnerin bei der Wirtschafstprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche. Eine wirklich einheitliche Vorgehensweise bei allen Banken wird dadurch jedoch nicht erreicht. Commerzbank-Chef Klaus-Peter Mueller hatte im Herbst eine Einigung von Wirtschaftsprüfern und Aufsichtsbehörden auf Vorgaben zum Umgang mit der Krise gefordert. Dies lehnen die Behörden jedoch ab. „Das ist wegen der Heterogenität der Wertpapiere kaum möglich“, sagte Adelheid Sailer-Schuster, Direktorin in der Bankaufsicht der Bundesbank. Auch Forderungen, die Aufsicht möge Vorgaben zur Preisfindung bei der Papieren machen, wies sie zurück. „Da muss der Markt entscheiden“, sagte sie.

Handelsblatt: Herr Mattern, Sie sind zur rechten Zeit Chef von McKinsey in Deutschland geworden. Ihr Rat als Bankenexperte müsste in der Branchenkrise doch sehr gefragt sein.

Mattern: Dafür hätte ich nicht Office Manager von McKinsey werden müssen. Das mache ich schon seit 17 Jahren.

Dann geben Sie uns doch mal eine Einschätzung, ob das Schlimmste überstanden ist.

Wenn Sie die Turbulenzen auf den Finanzmärkten meinen: schwer zu sagen. Das wahre Ausmaß wird sich vielleicht erst mit Vorlage der Bilanzen für 2007 offenbaren. Quartalsergebnisse können da nur Hinweise geben.

Und da vermuten Sie noch Leichen im Keller?

Wir werden die eine oder andere Überraschung erleben, da bin ich sicher.

Weil die Wirtschaftsprüfer im Rahmen des Impairment Tests eine abschließende Bewertung der Wertpapieranlagen machen müssen?

Ja, die wirklich entscheidende Frage lautet doch, wie verlässlich sind unsere Bewertungsmodelle für solche strukturierten Wertpapiere? Die große Nachricht hinter den täglichen Schlagzeilen ist doch, dass auf einmal Papiere mit erstklassigen Ratings nicht mehr zu jedem Zeitpunkt einen Preis haben oder nirgendwo mehr einen Investor finden. Es gibt nicht mehr die gute alte Welt, in der zu Anschaffungskosten bilanziert wird. Jetzt gelten Marktpreise. Wo aber nehmen wir die her, wenn Wertpapiere selten oder gar nicht gehandelt werden?

Werden in den Wertpapieranlagen der Banken also Scheinwelten bilanziert, weil die Finanzmodelle bislang versagen?

Die Weiterentwicklung unserer Bewertungsmethoden ist eine wesentliche Frage, die sich meiner Ansicht nach stellt.

Wann haben wir Klarheit?

Wie gesagt, ich hoffe im ersten Quartal nächsten Jahres. Das Ungewöhnliche an dieser Krise ist, dass sie schon sehr lange dauert. Normalerweise sind Finanzmarktkrisen, die mit gewisser Regelmäßigkeit auftreten, nach wenigen Wochen vorbei.

Hat die Subprime-Krise auch strukturelle Probleme der Finanzbranche offen gelegt?

Was wir gesehen haben, ist ein Erdbeben im Weltfinanzsystem mit massiven Veränderungen: Ein relativ eingrenzbares und absehbares Problem mit US-Subprime-Krediten löst größere Probleme in anderen, scheinbar nicht betroffenen Finanzmärkten aus. Das System der Risikostreuung durch Verbriefung und Ausplatzierung von Risiken hat keine Absicherung bewirkt, sondern genau das Gegenteil.

Und welche Folgen wird das konkret für die Banken haben?

Zunächst einmal: Das Geschäftsmodell der Ausplatzierung von Krediten wird nicht mehr so wachsen wie erwartet.

Ist es tot?

Nein. Das Geschäftsmodell wird sich weiter entwickeln. Eine wenig transparente Verpackung von Krediten in Verbriefungen wird der Markt nicht mehr akzeptieren. Verbriefungen haben zwar eindeutige Vorteile. Sie streuen Risiken....

.... handeln sich aber massive Liquiditätsprobleme ein, wie die Kreditklemme zeigt.

Darin liegt ja die eigentliche Überraschung. Es stellt sich plötzlich heraus, dass ein Geschäftsmodell, an das Banken, Investoren und Ratingagenturen fest geglaubt haben, so nicht tragfähig ist. Selbst Papiere mit allerbester Bonität sind nicht mehr ohne erhebliche Preisabschläge handelbar. Das hätte sich bis vor kurzem niemand vorstellen können. Vertrauen ist bekanntlich ein scheues Reh. Es kann lange dauern, bis es wieder da ist.

Banken sind keine anonymen Wesen. Manager bewerten Risiken. Haben die versagt?

Die Geschichte der Finanzmärkte hat immer wieder Exzesse gesehen. Das steckt in ihrer Natur. Es wird immer wieder Menschen geben, die Risiken eingehen, die sie nicht abschätzen können. Genau das haben wir diesen Sommer erlebt.

Man hat aber schon das Gefühl, das Rad wird immer größer, die Geschäfte damit riskanter.

In den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren sind die Verschuldungshebel an den Finanzmärkten sehr viel größer geworden. So lassen sich zwar eindrucksvolle Wertsteigerungen erzielen. Aber wer sich in der Betriebswirtschaft auskennt, der weiß, das geht auch mal nach hinten los.

Interessanterweise sind in Deutschland vor allem öffentlich-rechtliche Banken von der Kreditkrise betroffen.

Das liegt auch daran, dass zum Beispiel die meisten Landesbanken durch ihre Fokussierung auf das Wholesale-Geschäft nur geringe Erträge erwirtschaften. Diese Sonderstruktur macht sie anfälliger, wenn risikoreiche Geldgeschäfte in großem Stil auf dem internationalen Kapitalmarkt nicht die gewünschten Erwartungen erfüllen.

Halten Sie es für eine gute Idee, dass die am stärksten getroffenen Banken SachsenLB und IKB mit staatlicher Hilfe vor der Pleite bewahrt werden?

Wenn Banken in Schwierigkeiten geraten, braucht man Rettungsmechanismen, um einen noch weiter gehenden Vertrauensverlust zu verhindern. Man kann die Banken nicht einfach untergehen lassen, das verträgt das System nicht.

Beschleunigt die Krise die Bankenkonsolidierung in Europa?

Wahrscheinlich, ja. Die Folge der Krise sind weltweit deutlich gesunkene Aktienkurse der Banken. Deshalb werden jetzt überall mögliche Übernahmeszenarien durchgerechnet. Ich erwarte in den nächsten anderthalb Jahren mehr Transaktionen. Vorausgesetzt natürlich, dass mit Vorlage der Bilanzen die wesentlichen Risiken bewertet und Unklarheiten beseitigt sind. Die interessanten Kaufobjekte liegen in den wachstumsstarken Märkten wie z.B. Osteuropa.

Und speziell in Deutschland?

Der Konsolidierungsbedarf ergibt sich aus den im internationalen Vergleich niedrigen Inlandsmarktanteilen. Die Finanzkrise wird aus heutiger Sicht keine großen Auswirkungen auf die Struktur der privaten Banken in Deutschland haben.

Konsolidierungsbedarf ist aber weiter vorhanden?

Unsere Bankenlandschaft ist zu kleinteilig - keine Frage. Die Konsolidierung in Deutschland wird jedoch nicht durch die Subprimekrise allein ausgelöst. Wir analysieren gerade die Entwicklung der deutschen Bankenlandschaft im Rahmen unseres Projekts "Deutschland 2020". Es ist eine, wenn Sie so wollen, Vision unseres Wirtschaftsstandorts. Wir brauchen einen gesunden und wachsenden Bankensektor. Unser viel geschmähtes Drei-Säulen-Modell ist dabei nicht das Kernproblem der deutschen Finanzindustrie. Jeder Sektor ist groß genug, um aus sich heraus einen Champion hervorzubringen.

Außer der Deutschen Bank gibt es derzeit keine auch international gewichtigen Spieler in Deutschland.

Tatsache ist, dass der Finanzsektor in Ländern wie Großbritannien oder den USA in den letzten Jahren ein bedeutender Treiber des Wirtschaftswachstums war. Nicht so in Deutschland. Das ist das Problem.

Dafür dürfte es jetzt auch zu spät sein.

Warum? Ich würde nicht in Defätismus verfallen. Vor kurzem ist mir zuhause ein altes Buch wieder in die Hände gefallen. "Made in America" beschrieb Ende der achtziger Jahre den unaufhaltsamen Niedergang der amerikanischen Industrie. Genau das Gegenteil ist passiert. Ich gebe aber zu, dass wir im Moment noch nicht die Voraussetzungen für einen blühenden Finanzsektor haben.

Bei den Landesbanken zeichnen sich erste Tendenzen einer Neuordnung ab.

Noch gibt es bei den Landesbanken kein Institut von europäischer Größenordnung. Es ist zu hoffen, dass jetzt Bewegung in die Sache kommt. Wir sollten das Potenzial der Landesbanken nicht unterschätzen. Wenn man das Eigenkapital der drei größten Institute zusammennimmt, kommt man schon an die Deutsche Bank heran.

Und bei den Privaten?

Dort ist neben der Entwicklung im Inland die künftige internationale Ausrichtung von großer Bedeutung. Der deutsche Markt wird zwar wachsen, schneller wachsen werden aber die Bankenmärkte in Osteuropa und Asien. So haben z.B. die österreichischen Banken eine enorme Wertsteigerung erlebt, weil sie Osteuropa rechtzeitig als Markt erschlossen haben.

Sollte der Staat ein wenig nachhelfen bei der Neuordnung der Bankenlandschaft?

Wir brauchen in Deutschland einen Finanzsektor, der international auf Augenhöhe agieren kann. Das Potenzial für mehrere internationale Banking Champions, die europaweit konkurrieren können, ist vorhanden. Es wäre ein Fehler, den Markt nur ausländischen Banken zu überlassen. Die Chefs der deutschen Großunternehmen haben schon einmal, Anfang des Jahrtausends, klargestellt, dass sie nicht ausschließlich von Finanzierungsentscheidungen in London abhängig sein wollen. Das gilt bis heute. Es wäre aber eher kontraproduktiv, wenn der Staat eine gestaltende Rolle im Bankensektor übernähme.

Klare Absage an jedwede staatliche Industriepolitik?

Der Staat setzt Rahmenbedingungen. Er muss keine Steuergelder im Bankenmarkt investieren. Dafür gibt es genügend privates Kapital.

Was halten Sie von der aktuellen Debatte um den Schutz vor Staatsfonds, Goldene Aktien und Investitionskontrollen?

Der Staat sollte nicht in aller Breite versuchen, Eigentumsstrukturen der Wirtschaft zu gestalten. Der Staat hat zwar ein nachvollziehbares Interesse an der Verteidigungsindustrie, an der Infrastruktur, bei Rohstoffen oder technologischen Schlüsselindustrien. Selbst liberale Länder wie Großbritannien oder die USA haben Auflagen für strategische Industrien. Die Finanzindustrie zählt aus meiner Sicht nicht dazu.

Das Gespräch führten Rolf Benders und Dieter Fockenbrock.